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heute: FDP

Von Dr. Birgit Arnold, MdL

Gymnasium 2010 - Neuerungen und Herausforderungen

In diesem Jahr kommt in Baden-Württemberg erstmalig eine neue Prüfungsordnung für das Studium und die Ausbildung der Lehrer an Gymnasien zur Anwendung. Uns Liberalen war es dabei wichtig, dass im Lehramtsstudium in der Gewichtung von Fachwissenschaft und Pädagogik der Schwerpunkt auf der Fachwissenschaft bestehen bleibt. Zweifellos sind die pädagogische und fachdidaktische Kompetenz des Lehrers eine zwingende Voraussetzung für seinen guten Unterricht, doch kann der berühmte Funke zum Schüler nur überspringen, wenn auch profunde Fachkenntnis und fachliche Begeisterung vorhanden sind. Das Lehramtsstudium findet deshalb nach wie vor an den Universitäten statt, und bei den fachlichen Anforderungen wurden weder nach Art noch Umfang Abstriche gemacht. Die pädagogisch-fachdidaktischen Inhalte wurden zwar erweitert, mit ihrem Anteil an der Gesamtnote von 24 Prozent einschließlich Praxissemester ist aber nach Auffassung der FDP/DVP-Fraktion eine angemessene Lösung gefunden worden.

Neu in der Ausbildung der Gymnasiallehrer ist neben Orientierungstest und Orientierungspraktikum zu Beginn des Studiums ein Schulpraxissemester, dessen Bestehen Voraussetzung für die Zulassung zum Staatsexamen ist. Die FDP/DVP-Fraktion ist grundsätzlich der Auffassung, dass das Praxissemester den potenziellen Lehrkräften die Möglichkeit geben sollte, in offener Weise auszuprobieren, ob sie für den Beruf geeignet sind. Das Kultusministerium bestand jedoch darauf, Lehramtsbewerber auszuschließen, bei denen zu diesem frühen Zeitpunkt absehbar ist, dass sie für den Lehrerberuf vollständig ungeeignet sind. Als Kompromiss erreichten wir, dass die Seminare verbindlich an der Entscheidung über das Nichtbestehen beteiligt werden und dass eine Wiederholung des Praxissemesters an einer anderen Schule möglich wird. Damit trifft der Schulleiter die Entscheidung nicht allein. Auch wurden die Bestehensregeln noch eindeutiger gefasst, um den rechtlichen Bestand der Entscheidung abzusichern und um zu gewährleisten, dass ein Ausschluss nur in extremen Fällen erfolgt. Durch die Bewertung aller Studienleistungen mit ECTS-Punkten können die Leistungen auch in anderen Studiengängen angerechnet werden.
Für die Gymnasiasten, die im Jahr 2012 ihr Abitur machen werden, ist die Frage des Studienplatzangebots von zentraler Bedeutung. Baden-Württemberg baut deshalb beginnend mit dem Wintersemester 2008/09 schrittweise die Studienanfängerplätze an den Hochschulen des Landes aus. Ziel ist es, zum Wintersemester 2012/13 insgesamt 16 000 zusätzliche Studienanfängerplätze zur Verfügung zu stellen. Mit einem Zwischenstand von 11.500 oder 70 Prozent der Plätze liegt das Ausbauprogramm derzeit voll im Plan. Uns bildungs- und wissenschaftspolitischen Sprechern ist es ein wichtiges Anliegen, dass alle Hochschularten bei der Vergabe der Studienplätze berücksichtigt werden, um die Vielfalt des Studienangebots weiter auszubauen. Was die Verteilung auf Fachbereiche und Studiengänge angeht, setzt sich unsere Fraktion für das Hochschulfinanzierungsprinzip "Geld folgt Student" ein, damit den Interessen und Zielen der aktuellen und zukünftigen Studierenden so gut wie möglich Rechnung getragen wird.

Schließlich wird auch im Jahr 2010 die durch die Qualitätsoffensive Bildung finanzierte Senkung des Klassenteilers auf zunächst 30 bis zum Ende der Legislaturperiode 2011 planmäßig durchgeführt. Versuchen seitens des Finanzministeriums, die rund 530 Millionen Euro schwere Qualitätsoffensive angesichts der angespannten Haushaltslage zu verschieben, haben wir Liberalen uns erfolgreich widersetzt. Neben der Klassenteilersenkung sind auch die übrigen Maßnahmen wie die Erhöhung der Leitungszeit für Schulleiter, die Zulagen für die Evaluation oder die Unterstützung der Bildungsregionen aus unserer Sicht dringlich für die Qualitätsentwicklung und Stärkung der Eigenständigkeit der Schulen.

Insgesamt wurden im Jahr 2009 rund 5000 Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt, davon 1760 im gymnasialen Bereich. Die Schulen können zugewiesene Stellen auch in Personalkostenbudgets umwandeln, mit denen sie auf zwei Jahre befristete Arbeitsverträge abschließen können, um eigene Schwerpunkte zu setzen wie beispielsweise spezieller Förderunterricht, theaterpädagogische oder schulpsychologische Angebote. Da die Personalkostenbudgets jetzt nur noch der Zustimmung durch den Hauptpersonalrat bedürfen, fordern wir die dortigen Vertreter auf, auf ein Veto zu verzichten und den Weg für dieses wichtige Instrument der Schulentwicklung frei zu machen.

Eine der wichtigen Aufgaben der Landesregierung wird auch weiterhin der Ausbau der beruflichen Gymnasien sein. Sie sind nicht nur unverzichtbare Bindeglieder zwischen mittlerer Reife und Hochschulzugang in einem gegliederten Schulwesen, sondern entlasten zudem als berufsorientierte Alternativen die allgemein bildenden Gymnasien. Zum Jahresende 2009 sind 15 weitere und damit nun insgesamt 30 sozialwissenschaftliche Gymnasien landesweit eingerichtet worden. Trotz dieser Maßnahme und der Einrichtung von über 100 zusätzlichen Lehrerstellen für die beruflichen Vollzeitschulen im vergangenen Jahr konnten wieder nicht alle Bewerber für die beruflichen Gymnasien zum Zug kommen. Auch diesem Ziel, hier von einem zusätzlichen schulischen Angebot hin zu einer Regelschule zu gelangen, haben wir Liberalen uns verschrieben. Wenn wir auch die Unterstützung der allgemein bildenden Gymnasien für dieses Vorhaben erhalten, würde ich mich freuen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes und erfolgreiches Neues Jahr.

Zur Person: Dr. Birgit Arnold, MdL, ist Stellvertretende Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg

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