Neuer Schwung bei den Führungsseminaren

von Klaus Nowotzin

Der Autor ist stellvertretender Landesvorsitzender des PhV-BW und seit August 2009 Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Leonberg. Er war und ist Teilnehmer einiger der Seminare, über die er in diesem Beitrag schreibt.

Vorbereitende Führungsseminare

Seit Anfang dieses Schuljahres gibt es sie wieder: Die Seminare für Kolleginnen und Kollegen, die sich vorstellen können, einmal Führungsverantwortung zu übernehmen, die sich in dieser Hinsicht weiter informieren und ausprobieren möchten - oder die erst einmal überprüfen wollen, ob so eine Aufgabe tatsächlich etwas für sie ist.

Zuletzt gab es diese Seminare im Schuljahr 1991/92, dann wurden sie eingestellt, angeblich, weil die Quote derjenigen, die aus diesem Kreis tatsächlich Schulleiter wurden, zu gering gewesen sei. Von Verbandsseite wurde dies bedauert und eher vermutet, dass wohl die Kosten den Ausschlag für die Einstellung gegeben haben. Damals wurden in einem Bewerbungsverfahren jeweils 18 Teilnehmer für einen Kurs ermittelt, die in drei jeweils einwöchigen Veranstaltungen mit dem für Schulleitungen notwendigen Handwerkszeug bekannt gemacht wurden. Bei mehreren Übungen und Aufgaben wurden die Teilnehmer von erfahrenen Schulleitern und Vertretern der damaligen Oberschulämter beobachtet und bewertet.

Da ich dem letzten Kurs angehört habe, konnte ich anhand der damaligen Teilnehmerliste nachforschen, ob das offizielle Argument, das zur Aufgabe der Seminare führte, stichhaltig ist. Es ist es nicht: Dreiviertel der Absolventen sind auf der schulischen Führungsebene tätig - als Schulleiter, Stellvertreter, Abteilungsleiter oder Fachberater. Und schon damals hat der Philologenverband die Meinung vertreten, dass das in den Seminaren erworbene Wissen auch in jeder anderen Position der Schule von Nutzen ist, als "einfacher" Lehrer, der damit kompetenter in allen schulischen Gremien auftreten kann, als Verbindungslehrer oder Personalrat. Und auch außerhalb der Schule schadet dieses Wissen nicht, so ist eine der Teilnehmerinnen, Annette Laur, Vorsitzende des Hauptpersonalrats beim Kultusministerium, und Teilnehmer Bernd Saur ist neben seinen Tätigkeiten als langjähriger Abteilungsleiter und jetziger Fachberater Vorsitzender des Philologenverbandes! Waren damit die für die Kolleginnen und Kollegen aufgebrachten Kosten nicht eine gute Investition?!

Vielleicht ist inzwischen auf ministerieller Seite diese Einsicht auch gewachsen - oder es wurden aus den Fehlbesetzungen der letzten Jahre, die es leider auch gegeben hat, entsprechende Schlussfolgerungen gezogen.

Die neue Konzeption der Seminare zur Führungskräfteentwicklung, über die man sich auf regionalen Veranstaltungen informieren kann, wurde deutlich ausgeweitet und differenziert:

In einem ersten dreitägigen Orientierungsseminar können Kolleginnen und Kollegen ohne Funktionsstelle klären, ob sie eine solche anstreben wollen. Das Seminar dient der Selbsterkundung, bietet Übungen mit Assessmentcharakter und ein persönliches Feedbackgespräch. Erkenntnisse dieses Seminars werden nicht nach außen gegeben.

Weitere vier, jeweils zweieinhalb Tage dauernde vorqualifizierende Module stehen Kolleginnen und Kollegen mit mehrjähriger Unterrichtserfahrung und entsprechenden Ambitionen offen. Zusammen mit neu ernannten stellvertretenden Schulleitern und Abteilungsleitern werden anhand von Fallbeispielen Prozess- und Projektmanagement geübt, die Grundlagen für eine gelingende Kommunikation besprochen und erprobt. Im letzten Modul "Schule als Organisation - von der Vision zur Umsetzung" wird das systemische Denken an einem Fall aus der eigenen Schule eingeübt.

Entsprechende, aber mit anderen Schwerpunkten versehene Module gibt es für den Bereich Fachberatung und Fortbildung.

Berufsbegleitende Qualifizierung für neue Schulleiterinnen und -leiter

Für neu ernannte Schulleiterinnen und Schulleiter gibt es seit diesem Schuljahr eine neue, deutlich ausgeweitete Begleitung. Der Autor dieses Berichts nimmt an diesen berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen teil und gibt damit seine ersten Eindrücke wieder:

Schon bevor die Arbeit in der neuen Funktion beginnt, haben die frisch Ernannten auf einem einwöchigen Kurs auf der Comburg Gelegenheit, ihr neues Handwerkszeug kennenzulernen, sich der neuen Rolle bewusst zu werden und ihre Gesprächstechniken zu verfeinern.

Als sehr hilfreich habe ich auch empfunden, dass zwei der weiteren jeweils zweieinhalbtägigen Seminare, nämlich die zur "Teambildung" und zum Qualitätsmanagement, zusammen mit dem Schulleitungsteam der eigenen Schule besucht werden können. Zwei Veranstaltungen zu den Themen "Beratung und Beurteilung" und zur "Personalentwicklung" runden die Sache ab und geben den neuen Schulleitern dringend benötigtes Wissen mit auf den Weg. Wichtig ist auch, dass sich unter den Teilnehmern ebenso wie bei den von den Regierungspräsidien zusätzlich angebotenen Anfangsveranstaltungen schnell regionale Netzwerke gebildet haben - auch das ist eine Investition in die Zukunft!

Beides, die vorbereitenden und die berufsbegleitenden Führungsseminare werden auf jeden Fall dazu beitragen, die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in Führungspositionen zu unterstützen und die Qualität von Schulleitungsfunktionen zu verbessern - deshalb werden die Seminare von Verbandsseite ausdrücklich gutgeheißen!

Weitere Informationen:

www.phv-bw.de