PhV-Landesvorsitzender Bernd Saur zum Amtswechsel:

"Wir erwarten von der neuen Kultusministerin Schick ein klares Bekenntnis für das Gymnasium in einem gegliederten Schulsystem!"

Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) verknüpfte mit seinen Glückwünschen an den frisch ins Amt gewählten Ministerpräsidenten, Stefan Mappus, und an seine neue Kultusministerin, Frau Prof. Dr. Marion Schick, die Hoffnung auf eine von Kontinuität, Verlässlichkeit und Transparenz geprägte Bildungspolitik in einem gegliederten Schulsystem. Nach dem Motto 'Aufstieg durch Bildung' müsse das Gymnasium einen angemessenen Stellenwert im vielfältigen schulischen Angebot einnehmen und behalten. Gute Wünsche übermittelte Verbandschef Bernd Saur auch an Ministerpräsident Günther Oettinger zur Übernahme seines neuen Aufgabenbereichs als EU-Kommissar in Brüssel und an den ehemaligen Kultusminister Helmut Rau, der als Minister ins Staatsministerium wechselte.

Mag auch im Detail nicht immer ein Gleichklang zwischen dem PhV und den aus ihren Ämtern ausscheidenden Repräsentanten des Landes geherrscht haben, das gilt besonders für das G8 und die nicht nachvollziehbare Ablehnung einer Parallelität von G8 und G9, so erkennt der PhV an, dass beide Repräsentanten trotz heftigen Gegenwinds aus der Opposition stets am erfolgreichen und chancengerechten gegliederten Schulsystem in Baden-Württemberg festgehalten haben. Die große bildungspolitische Linie gegen die Installation einer Einheitsschule, die mit einem Ende des Gymnasiums gekoppelt gewesen wäre, hat also gestimmt. Es wird erwartet, dass auch die neue Regierungsmannschaft mit Ministerpräsident Mappus und Kultusministerin Schick an dieser Position festhält.

"Vorfahrt für Bildung!"

PhV-Landesvorsitzender Bernd Saur verband seine Glückwünsche zum Amtswechsel mit klaren Erwartungen an den neuen Ministerpräsidenten, dass er der Bildungspolitik und insbesondere den Arbeits- und Rahmenbedingungen an den Schulen des Landes höchste Priorität einräumt. In einer vom Verband am 10. Februar 2010 herausgegebenen Pressemitteilung forderte Saur die "Vorfahrt für Bildung" und richtete an den neuen Ministerpräsidenten den Appell: "In diesen Zeiten der noch nicht ausgestandenen Finanzkrise muss Bildung als beste Zukunftsinvestition ein herausragender Schwerpunkt der baden-württembergischen Regierungsarbeit sein und bleiben; durch klare Richtungsangaben und durch politische Einzelmaßnahmen muss deutlich werden, dass unser Bundesland zurecht den Namen 'Kinderland Baden-Württemberg' verdient und die Landesregierung alles unternimmt, um diesem Anspruch gerecht zu werden." Nach Auffassung des Verbandes bietet der Amtswechsel die Chance, dies durch schnelle und unbürokratische schulpolitische Entscheidungen sichtbar zu machen.

Lücken bei der Unterrichtsversorgung schließen

Jetzt kommt es darauf an, rasch bedarfsgerecht und ohne großen Verwaltungsaufwand die an den Schulen entstandenen Lücken bei der Unterrichtsversorgung durch die Einstellung von Krankheitsvertretungen zu schließen. Denn: Ein weiterer Anstieg der enormen Überstunden-Bugwelle der ohnehin schon über Gebühr belasteten Lehrerinnen und Lehrer sowie Streichungen im Ergänzungsbereich sind nicht länger akzeptabel. Saur: "Nur durch eine 110-prozentige Lehrerversorgung an jeder Schule des Landes kann man dieses Problem in den Griff bekommen."

Nach Auffassung des PhV sollten auch umgehend Verhandlungen mit den Schulträgern zum Zweck der Einstellung von nichtunterrichtendem Personal an den Schulen aufgenommen werden. Verbandschef Saur forderte in diesem Zusammenhang u.a. Personal für Netzwerkbetreuung, für Schulsozialarbeit, für psychologische Betreuung, für Berufsberatung, für Aufsichten sowie für Gesundheitsprävention und Gesundheitsfürsorge. Nach dem G8/G9-Doppelabitur und gleich mit Beginn des Schuljahres 2012/13 müsse außerdem das Deputat der Gymnasiallehrer wieder abgesenkt werden.

PhV erwartet deutliche Signale für den Erhalt schulischer Qualität

Zum Amtsantritt von Marion Schick, der 51-jährigen Wirtschaftsprofessorin aus München und Mutter von zwei Kindern, sagte PhV-Landesvorsitzender Bernd Saur: "Wir erwarten von der neuen Kultusministerin ein klares Bekenntnis zum Gymnasium in einem gegliederten Schulsystem!" In einer vom Verband am 23. Februar herausgegebenen Pressemitteilung hieß es: Der Philologenverband erwartet von der neuen Kultusministerin auch eine konsequente weitere Stärkung "unserer erfolgreichen und leistungsfähigen Gymnasien". Von ihr müssten mit Unterstützung der Landesregierung jetzt deutliche Signale für den Erhalt schulischer Qualität und zur deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Lehrerinnen und Lehrer gesetzt werden.

Schwerpunkt: Frühzeitige begabungsgerechte Förderung

Bernd Saur wurde noch deutlicher: "Zu den Fundamenten unseres erfolgreichen Bundeslandes gehören ohne jeden Zweifel unsere leistungsstarken Gymnasien. Wer die Studierfähigkeit unserer begabten jungen Leute - nicht zuletzt auch im internationalen Wettbewerb - sichern möchte, muss eine frühzeitige begabungsgerechte Förderung anbieten; eine stärkere Investition in Bildung bedeutet auch eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes Baden-Württemberg." Inzwischen hat die neue Kultusministerin durchblicken lassen, dass sie der Frühförderung einen hohen Stellenwert beimisst.Sie sprach sich für eine Verbesserung aus, etwa durch sogenannte Bildungshäuser für Drei- bis Zehnjährige. Und auch hier liegt die Ministerin auf PhV-Linie - Schick wörtlich in den Stuttgarter Nachrichten (25.02.2010): "Alles, was wir in Kinder investieren an Geld, wird uns später im Bildungssystem begegnen."

Der Philologenverband geht davon aus, dass mit der neuen Kultusministerin die "Qualitätsoffensive Bildung" weiterentwickelt und bildungspolitischen Fehlentwicklungen wie in Berlin, Brandenburg und Hamburg eine klare Absage erteilt wird. "Wir erwarten ein klares Bekenntnis zum grundständigen Gymnasium mit seinen vielfältigen Zügen und chancengerechten Möglichkeiten", sagte Saur. Das Grußwort der Kultusministerin, das sich auf der Homepage des Kultusministeriums befindet, enthält u.a. folgende Aussagen: "Dabei kommt der offenen und vertrauensvollen Erziehungspartnerschaft zwischen den Erzieherinnen und Erziehern oder Lehrerinnen und Lehrern einerseits und den Eltern andererseits eine ganz wichtige Rolle zu. Der Dialog mit allen am Schulleben Beteiligten liegt mir darum besonders am Herzen. Ich werde mich in den kommenden Wochen und Monaten intensiv mit ihnen austauschen und viele Termine mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften sowie Erzieherinnen und Erziehern wahrnehmen."

Hans-Eckhard Giebel

Aussagen und Meinungen der neuen Kultusministerin

Kultusministerin Marion Schick im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten
vom 25. Februar 2010:

...und im Interview mit der Stuttgarter Zeitung vom 25. Februar 2010:

www.phv-bw.de