Nachhilfe für Schüler ist manchmal sinnvoll, sollte aber kein Dauerzustand sein

Nach Auffassung des Philologenverbandes sollten insbesondere Grundschuleltern ihre Kinder nicht mit überzogenen und nicht erfüllbaren Leistungserwartungen überfordern. "Nicht für jedes Kind ist das Gymnasium die richtige Schulart", so PhV-Landesvorsitzender Saur in einer vom Verband am 29. Januar 2010 herausgegebenen Pressemitteilung. Er wies darauf hin, dass es außer dem Gymnasium weitere schulische Bildungswege gibt, die dem unterschiedlichen Begabungspotenzial und dem Leistungsvermögen eines Kindes gerecht werden. Wenn ein Schüler der weiterführenden Schule dauernd Nachhilfe benötige, dann müsse die Frage erlaubt sein, ob für ihn die richtige Schulwahl getroffen wurde.

Manche Eltern entschieden sich auch für zusätzliche zeit- und finanzaufwändige Nachhilfeförderung ihrer Kinder, weil sie durch das ständige Schlechtreden der Hauptschule und der Werkrealschule verunsichert seien. Oft fehle seitens der Eltern aber auch die Bereitschaft oder schlichtweg die Zeit, um beispielsweise Hausaufgaben und Übungsphasen zu begleiten und einen übermäßigen Medienkonsum des Kindes zu kontrollieren und zu begrenzen. Wenn die Autoren einer jüngst veröffentlichten Bertelsmann-Studie auch das deutsche Schulsystem für den hohen Bedarf an Nachhilfe mit verantwortlich machen und dabei auf angeblich bessere Schulsysteme anderer Länder verweisen, dann müsse auch ein Blick auf die Qualität und Aussagekraft der Schulabschlüsse anderer Länder geworfen werden, so Verbandschef Saur.

Für den Philologenverband steht fest: Gute Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Saur: "Kleine Klassen, eine ausreichende Lehrerreserve für Krankheitsvertretungen, gut organisierte Hausaufgabenbetreuung an den Schulen und ein gutes Schulklima sind die besten Voraussetzungen, um vorhandene und nicht genutzte Begabungsreserven eines Kindes bestmöglich zu fördern, sodass auf Nachhilfe verzichtet werden kann." Nachhilfe für Schüler sei manchmal sinnvoll, sollte aber kein Dauerzustand sein.

Auf eine Grundschulempfehlung sollte nicht verzichtet werden

Der Philologenverband Baden-Württemberg begrüßte in einer am 2. März 2010 herausgegebenen weiteren Pressemitteilung grundsätzlich die Position der neuen Kultusministerin Marion Schick zur Grundschulempfehlung. Sie hatte betont, dass der Grundschulempfehlung keine abschließende Bedeutung für den zukünftigen Bildungsweg der Schülerinnen und Schüler zukomme. Mit der Wahl eines bestimmten Bildungsweges sei noch längst keine endgültige Entscheidung über den erreichbaren Abschluss getroffen. "Das baden-württembergische Schulsystem ist sehr durchlässig. Nach jedem Abschluss gibt es eine Reihe von Möglichkeiten zum Anschluss", sagte Schick. Sollte sich das Lern- und Leistungsverhalten eines Kindes nach der Grundschule ändern, sei ein Schulartwechsel in den weiterführenden Klassen möglich. "Es ist mir wichtig, dass wir mit unseren Bildungsangeboten dem jeweiligen Entwicklungstand des Kindes gerecht werden. Unser Bildungssystem ist so flexibel, dass viele Wege zu einer erfolgreichen Bildungsbiographe führen", sagte Schick. Rund 50 Prozent aller Hochschulberechtigungen würden nicht an einem allgemeinbildenden Gymnasium erreicht.

Grundschullehrer, die ihre Schüler zwei Jahre begleiten, können nach Auffassung des Philologenverbandes durchaus eine fundierte Prognose erstellen, ob ein Kind den Anforderungen des Gymnasiums gewachsen sein wird. Nach Auffassung des Verbandes müsse man die Bedeutung dieser Empfehlung nicht überbewerten, doch sei sie für Eltern, die sich im Entscheidungsprozess der Schulwahl befänden, eine wichtige Hilfe. Bernd Saur: "Wer Begabungs- und Leistungsunterschiede der Kinder aber ignoriert, der behindert eine differenzierte Förderung, die sich auch am Entwicklungsstand und an den Entwicklungsmöglichkeiten eines Kindes orientieren muss."

Grundschulfremdsprache mit in die Bewertung einbeziehen

Der Philologenverband vertritt im Übrigen den Standpunkt, dass bei der Beurteilung im Vorfeld des Schulübergangs auch die Grundschulfremdsprache mit in die Bewertung einbezogen werden sollte. Durchaus hilfreich für eine umfassendere Prognose wären aus Sicht des PhV aber auch die in den 80er Jahren abgeschafften zentral gestellten Aufgaben am Ende des ersten Halbjahres der vierten Klasse in den Fächern Deutsch und Mathematik auf der Basis abprüfbarer Standards.

"Das Gymnasium ist sicher eine sehr attraktive, aber nicht die einzige Schulart in unserem vielfältig durchlässigen baden-württembergischen Bildungssystem", sagt Saur mit dem Hinweis, Eltern müssten sich darüber im Klaren sein, dass mit der Entscheidung für ein Gymnasium von ihren Kindern ein höheres Maß an Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft verbunden sei. So wäre beispielsweise für ein Kind, das schon in der Grundschule dauerhaft Nachhilfe benötigt, aus PhV-Sicht das Gymnasium der falsche Weg.

phv-pm/heg

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"Was ist sozialer? Kostenlose, leistungsstarke staatliche Gymnasien oder teure Privatschulen für die Kinder der Reichen? Eines ist klar: Wer das Gymnasium beschneidet, bewirkt die massive Gründung ebensolcher Schulen."

Bernd Saur, PhV-Landesvorsitzender
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