"Gymnasien sind bedeutende Kulturträger"

Bernd Saur referierte bei der Ulmer Frauen-Union

"Ohne sie wäre das Ländle ärmer: die Gymnasien in Baden-Württemberg"- so lautete das Fazit von Uta-Maria Stalder, der Vorsitzenden der Ulmer Frauen-Union, über die gleichnamige Veranstaltung mit dem PhV-Landesvorsitzenden Bernd Saur. Dem interessanten und sehr kurzweiligen Vortrag von Bernd Saur folgten in Wiblingen nicht nur Lehrer und Eltern, sondern auch Gymnasialschüler/innen.

Zu Beginn seiner Ausführungen betonte Saur, dass die Gymnasien auch bedeutende Kulturträger seien, ein Angriff auf die Gymnasien stelle deshalb auch "einen Angriff auf unser Kulturgut" dar. Das Gymnasium habe in seiner jahrhundertelangen Tradition bereits zahlreiche Angriffe und Anfeindungen unbeschadet überstanden. In den Gymnasien könnten die Potenziale der Schülerinnen und Schüler bei entsprechender Begabung und Leistungsbereitschaft optimal gefördert werden. Saur: "Die trotz anhaltender G8-Diskussion nach wie vor steigenden Übergangszahlen von den Grundschulen auf die Gymnasien bei gleichzeitig rückläufigen Zahlen von Wiederholern belegen diese Erfolgsgeschichte." Dabei sei in Baden-Württemberg die Durchlässigkeit zwischen den Schularten gewährleistet. "Es gibt bei uns keinen Abschluss ohne Anschluss, sodass auf verschiedenen Bildungswegen das Abitur erreicht werden kann", so Bernd Saur.

Der PhV-Landesvorsitzende schloss sich der Aussage von Kultusministerin Prof. Marion Schick an, "dass wir uns beim G8 in einem noch nicht eingependelten Zustand befinden." Das achtjährige Gymnasium dürfe nicht mit einem Qualitätsverlust des Abiturs einhergehen, so Bernd Saur. Nach seiner Meinung könnte mit einer optionalen Parallelität von G8 und G9 an den Gymnasien ein Weg in die richtige Richtung eingeschlagen werden.

Auch sieht Bernd Saur in der verpflichtenden Ganztagsschule für alle kein "Allheilmittel".
Er forderte eine 110-prozentige Unterrichtsversorgung, das heißt eine bessere Lehrerreserve, die in Krankheitsfällen sofort zu Verfügung steht. Gefordert wird von ihm die Einstellung von nichtunterrichtendem Personal seitens der Schulträger u.a. für die Netzwerkbetreuung, die psychosoziale Betreuung von Schülern und für eine bessere Gesundheitsprävention. Wichtig sei, dass nach dem Doppelabitur 2012 keine Lehrerstelle abgebaut und alles getan werde, um die Unterrichtsqualität zu erhalten und durch Lehrer-Entlastungsmaßnahmen weiter zu verbessern.

Am Ende seiner Ausführungen betonte Bernd Saur noch einmal die Leistungsfähigkeit der Schulart Gymnasium, die eine optimale Grundlage für die Studierfähigkeit biete. Er forderte aber auch, dass sich die Wertschätzung der Lehrer in der Gesellschaft verbessert sowie die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Motivation und Lernbereitschaft mitbringen, denn ohne Anstrengung gehe es nicht.

In der anschließenden Diskussionsrunde hob Barbara Münch, Vorsitzende des Arbeitskreises der Elternbeiräte an Gymnasien im Regierungsbezirk Tübingen, die Bedeutung der Maßnahmen zur Qualitätssicherung hervor. Die jetzt verbindliche Selbst- und Fremdevaluation helfe den Schulen, wichtige Schritte im Rahmen der Schulentwicklung unter Beteiligung der Lehrer, Schüler und Eltern zu gehen.

Eine Schülerin der 11. Klasse sah Probleme bei der Zusammenführung von G8 und G9. Sie forderte geeignete pädagogische Unterstützungsmaßnahmen. Ein weiteres Ergebnis der Diskussion war u.a. die Forderung nach einer stärkeren Kommunikation zwischen Schule und Universität bezüglich der Bildungsinhalte, zum Beispiel im Fach Mathematik. Zu diskutieren sei auch die nicht vorhandene Vergleichbarkeit des Abiturs der verschiedenen Bundesländer. Sie sei noch nicht gewährleistet und habe somit aufgrund nicht vergleichbarer Abiturdurchschnitte direkte Auswirkungen auf die Studienplatzvergabe.

Von den Veranstaltern wurde angeregt, mit dem Philologenverband weiter im Dialog zu bleiben und die in der Praxis gewonnenen bildungspolitischen Erfahrungen und Positionen des Philologenverbandes in den Arbeitskreis der CDU-Frauen-Union Ulm mit einzubringen.

-pm/gbw-

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