Lesermeinung

Größte Probleme im Studium

Bei der Vorbereitung der Vorlesung, die ich an der Berufsakademie in Heidenheim halten werde, fiel mir wieder überdeutlich auf, dass Themen in Mathematik zu behandeln sind, die vor 30 Jahren von mir am Gymnasium im Leistungskurs unterrichtet wurden. Nun kann man mit schlimmen Worten wie "Entrümpelung des Lehrplans" diese Niveauabsenkung legitimieren, aber der Wissensverlust zum Abschluss am Gymnasium nahm in den letzten Jahren exponentiell zu. Hierzu ein Beispiel: Eine Schülerin, die jetzt ihr Mathe-Abitur ablegen will, war im Nachhilfeunterricht nicht in der Lage, selbst mit Hilfestellungen folgenden Term zu vereinfachen": "-1-(-2)". Aber dieser Niveauverfall ist ja gewollt. Und Null-Notenpunkte - im alten Sprachgebrauch: eine glatte 6 - in Mathematik oder in Deutsch zum Beispiel führen nicht automatisch zu einem Nichtbestehen des Abiturs.

Auch bekam ich immer wieder den Eindruck von Kolleginnen und Kollegen vermittelt, dass nur dann eine versetzungsrelevante Note 5 gegeben werden durfte, wenn der berühmte Ausgleich durch ein anderes Fach vorhanden war. Auch hierzu wieder ein Beispiel: In einer 10. Klasse fiel die Halbjahresinformation im Schnitt katastrophal aus. Als die Klasse darauf angesprochen wurde, lautete der Kommentar: "Bei uns ist das seit Jahren so. Am Schluss werden dann doch alle versetzt, wir sind doch die letzte G-9-Klasse hier."

Man darf den Schülern und Schülerinnen keinen Vorwurf machen, sie tragen an diesem Niveauverfall nicht die Schuld. Sie sind die Leidtragenden, da sie die größten Schwierigkeiten im Studium bekommen.

Knut Krüger, Stuttgart (per E-Mail)

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