Editorial
Verehrte Leserin,
verehrter Leser,
die wie am Fließband produzierten Schul- und Bildungsnachrichten zeigen, dass besonders nach der Ergebnis-Bekanntgabe des ersten Ländervergleichs von Neuntklässlern in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch ein spürbarer Ruck durch die Nation geht. Baden-Württemberg und Bayern liegen mit ihrem gegliederten Schulsystem an der Spitze dieses Vergleichs. Kultusministerin Marion Schick räumt allerdings ein, man sei zwar "auf dem richtigen Weg, aber noch keinesfalls am Ziel". Ziel müsse es sein, alle durch den Schülerrückgang frei werdenden Ressourcen in die qualitative Weiterentwicklung von Schule und Unterricht zu investieren. "Mit den durch den Schülerrückgang frei werdenden Ressourcen können wir noch stärker in die qualitative Weiterentwicklung unserer Schulen investieren, wie auch die individuelle Förderung weiter verbessern", meint die Ministerin und fordert: "Wir müssen die Potenziale und finanzielle Spielräume, die sich durch den Schülerrückgang ergeben, in die Qualität des Bildungssystems investieren." Baden-Württembergs allgemeinbildende Gymnasien müssten auch künftig international zu den leistungsfähigsten Schulen gehören.
Unbürokratisch beschreitet die Ministerin neue Wege zur Beseitigung offener Bildungsbaustellen. Mit ihrer Unterschrift zur Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Bildungsinitiative "Teach First Deutschland" am 29. Juni möchte sie Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund an Brennpunktschulen besser fördern. So sollen ab kommendem Schuljahr "persönlich und fachlich herausragende Hochschulabsolventinnen und -absolventen aller Fachrichtungen" (sog. "Fellows") an Schulen "in herausforderndem Umfeld" Lehrkräfte bei ihrer Arbeit unterstützen. Man darf gespannt sein, ob und wie das funktioniert?
Uneingeschränkte Zustimmung beim PhV findet Kultusministerin Schick mit ihrer Feststellung, Bildung sei die "beste Investition in die Zukunft Baden-Württembergs". Bemerkenswert ist ihr Hinweis, eine "weitsichtige Bildungspolitik, die alle vorhandenen Begabungsreserven ausschöpft", sei auch Wachstumspolitik, denn Bildung rechne sich nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für eine Volkswirtschaft. -
Noch nicht befriedigend gelöst sind die G8-Probleme. Hier fordert der Verband mehr Flexibilität. Allein mit einem "Nachjustieren" dürfte es da nicht getan sein. Für den PhV ist eine Parallelität von acht- und neunjährigen gymnasialen Bildungsgängen sinnvoll. So könnte viel Dampf aus der G8-Diskussion herausgenommen werden. Ein hektisches Streichen von Lehrplan-Inhalten mit dem Risiko des Qualitätsverlustes wäre kein Thema mehr (s. hierzu auch die Stellungnahme des Landesvorsitzenden Bernd Saur in dieser GBW-Ausgabe: "Ist das G8 etwa doch nicht so einfach machbar?"). Ein "Gymnasium light" darf es nicht geben. Gehört werden sollten zuerst die Fachverbände. -
In unserer nächsten GBW-Ausgabe werden wir über die Vertreterversammlung, berichten, die am 9. Juli im Fellbacher Kongresszentrum stattfand. Die dort verabschiedeten Leitanträge zur Berufs- und Bildungspolitik finden Sie bereits an anderer Stelle dieser GBW-Ausgabe.
Im Namen des Landesvorstands und der Landesgeschäftsstelle wünsche ich eine erholsame Ferien- und Urlaubszeit und einen guten Start ins neue Schuljahr 2010/11.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Ihr
Hans-Eckhard Giebel
Redaktion 'Gymnasium Baden-Württemberg'
Beiträge in dieser Ausgabe:
Bernd Saur: "Ist das G8 etwa doch nicht so einfach machbar?"
Mitgliederwerbeaktion des Philologenverbandes Baden-Württemberg
Englische Gesamtschulen - ein Blick hinter die Kulissen
Personalratswahlen in Südwürttemberg: Wahlerfolg und neue Gesichter
Kultusministerin Schick zog 100-Tage-Bilanz
Erste Bilanz: Kultusministerin Marion Schick 100 Tage im Amt
Unterrichtsversorgung: Politik muss jetzt dringend handeln
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