DPhV zu den doppelten Abiturjahrgängen ab 2011:

Studienbedingungen werden sich deutlich verschlechtern, wenn nicht gegengesteuert wird!

DPhV-Vorsitzender Meidinger sieht bei der Verteilung und Bewältigung der zusätzlichen Studentenströme noch viele ungelöste Probleme und fordert weitere finanzielle Kraftanstrengungen der Politik

Nach Ansicht des Deutschen Philologenverbandes werden sich viele Studienanfänger ab dem nächsten Jahr wegen der doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen 2011 sowie wegen der Aussetzung der Wehrpflicht und des Zivildienstes auf deutlich verschlechterte Studienbedingungen, insbesondere in den Geisteswissenschaften und in den harten Numerus-Clausus-Fächern, einstellen müssen.

Diese Situation werde sich in den nächsten Jahren in der Folge des Doppelabiturs in weiteren Flächenländern, z.B. NRW 2013, noch zusätzlich verschärfen.
Trotz der zweifellos vorhandenen Bemühungen von Bund und Ländern, über den Hochschulpakt II bis 2015 an den deutschen Universitäten dafür 275 000 zusätzliche Studienplätze zu schaffen, werde es - so der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger - ab 2011 an vielen deutschen Universitäten zu schmerzhaften personellen und räumlichen Engpässen und in der Folge zu überfüllten Vorlesungen, Seminaren und Praktika kommen, wenn nicht noch gegengesteuert werde.

Zur Begründung sagte er: "Allein im nächsten Jahr drängen aus den Bundesländern Bayern und Niedersachsen wegen des doppelten Abiturjahrgangs rund 70 000 Erstsemester zusätzlich an die deutschen Universitäten, dazu kommen rund 50 000 weitere Studienanfänger wegen der Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes. Außerdem passen Ausbauziele des Hochschulpakts und Studienwünsche der Abiturientinnen und Abiturienten nicht zusammen!"

Mit einer spürbaren Beeinträchtigung der Qualität des Studiums müsse dem Verbandschef zufolge insbesondere in den sprach- und geisteswissenschaftlichen Fachbereichen und an beliebten Hochschulen in West- und Süddeutschland gerechnet werden. Die große Mehrzahl der zusätzlichen Studienplätze sei nämlich nach dem politischen Willen von Bund und Ländern an den naturwissenschaftlichen Fakultäten entstanden, die Studienfachwünsche der Abiturientinnen und Abiturienten würden dieser Steuerungsvorgabe jedoch nach ersten Erkenntnissen des DPhV nicht so folgen wie vom Gesetzgeber erhofft.

Weil in den harten NC-Fächern wie Medizin, Zahn- und Veterinärmedizin sowie Pharmazie im Hochschulpakt keine neuen Studienplätze geschaffen wurden, rechnet der DPhV-Vorsitzende außerdem damit, dass die Chancen von Abiturienten der Doppeljahrgänge, in diesem Bereich Studienplätze zu ergattern, spürbar abnehmen werden.

Schließlich zeichne sich bereits ab, dass die bewusste Lenkung von zusätzlichen Studienanfängern an ostdeutsche Hochschulen mit noch freien Kapazitäten nicht in dem Umfang gelingen werde, wie von den Bildungsministerien prognostiziert, was die Überfüllungseffekte an beliebten Universitäten zusätzlich verstärken werde, so Meidinger.

In der Konsequenz forderte der DPhV-Vorsitzende von den betroffenen Landesregierungen weitere finanzielle Kraftanstrengungen, um ein Chaos an den Hochschulen zu vermeiden: "Für zusätzliche Baumaßnahmen wird es in vielen Fällen zu spät sein, aber eine Aufstockung der Personalausstattung ist dringend erforderlich. Möglich ist auch eine vorübergehende, auf freiwilliger Basis erfolgende Abordnung von qualifizierten Gymnasiallehrkräften für Veranstaltungen des Grundstudiums, insbesondere in solchen Fächern, in denen kein Lehrermangel herrscht, ein Modellvorschlag, den der Philologenverband schon vor Jahren entwickelt hat."

Der Verbandsvorsitzende warnte aber auch vor Panikmache: "Es ist zwar offenkundig, dass bei der Planung und Mittelausstattung des Hochschulpakts nicht alles richtig gemacht wurde und die Bildungspolitik auf die Aussetzung der Wehrpflicht nicht vorbereitet ist, durch eine bewusste und gezielte Orts- und Studienfachwahl können Studienanfänger aber auch selbst ihre persönlichen Studienbedingungen positiv beeinflussen. Voraussetzung ist allerdings, sich schon jetzt über die Studiensituation an den Zielhochschulen genauestens zu informieren."

Eva Hertzfeldt, Pressesprecherin DPhV

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