Systematische Demontage des Gymnasiums!

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11.03.2013 / 1811 - 09-13

Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) ist empört!

Systematische Demontage des Gymnasiums!

Gegen alle Einwände plant das Kultusministerium die Umsetzung einer massiven Kürzung des Entlastungskontingents für Lehrkräfte!

Gymnasien sind besonders hart betroffen:

  • Jedes Gymnasium soll zwischen 7 und 13 Entlastungsstunden verlieren!

  • Die Gymnasien werden mit 150 von insgesamt 315 Lehrerdeputaten, also mit rund 47 Prozent der Einsparungen überproportional belastet!

Jetzt liegt der Entwurf zur Änderung der Verwaltungsvorschrift "Arbeitszeit der Lehrer an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg", in der auch der Umfang von Entlastungs- und Anrechnungsstunden geregelt ist, den Personalräten und den Verbänden zur Stellungnahme vor. Danach sollen im "Allgemeinen Entastungskontingent" 235 Deputate und bei den "Sonstigen Anrechnungen" noch einmal rund 80 Deputate eingespart werden, insgesamt also 315 Deputate. Hiervon entfallen mit 150 Deputaten etwa 47 Prozent auf die Gymnasien.

Zunächst hatte der neue Kultusminister Andreas Stoch versucht herunterzuspielen und zu beruhigen. In einem Interview der Stuttgarter Nachrichten vom 9. Februar 2013 aber sagte er: "Wir kürzen das sogenannte Entlastungskontingent um 14 Prozent. […] Wir glauben, das vertreten zu können, zumal viel größere Kürzungen im Raum standen. Allein das bringt 230 Deputate".

Jetzt werden die Auswirkungen der geplanten Kürzungen auf die einzelnen Schulen, insbesondere auf die Gymnasien offensichtlich. Nach den Vorgaben des KM werden sich bei den Gymnasien Einschnitte bei den Entlastungsstunden ergeben durch

  • eine durchschnittliche Kürzung um 2,7 Wochenstunden beim Entlastungskontingent,

  • durch Streichung des Sockels von 2 Wochenstunden pro Gymnasium,

  • durch Streichung der bisher für Hausaufgabenbetreuung vergebenen 3 - 6 Stunden,

  • durch Halbierung der Entlastung der Ausbildungslehrer an Praktikumsschulen.

Im Durchschnitt bedeutet dies eine Kürzung der Entlastungsstunden um zehn Wochenstunden pro Gymnasium. "Hat sich der Kultusminister eigentlich einmal überlegt, welche Auswirkungen dies auf die Arbeit an den Gymnasien hat? Oder wurde diese Entscheidung ganz bewusst getroffen, um die Gymnasien zugunsten einer massiven Bevorzugung der Gemeinschaftsschule zu schwächen?" fragt Bernd Saur, Vorsitzender des PhV BW.

Der Philologenverband BW nennt zwei konkrete Beispiele:

  • Für ein Gymnasium mit 25 Klassen ergaben sich bisher 19 solche Entlastungsstunden, die jetzt auf 10,5 Wochenstunden, also um 8,5 Wochenstunden gekürzt werden sollen.

  • Für ein Gymnasium mit 40 Klassen ergaben sich bisher 26 solche Entlastungsstunden, die jetzt auf 15 Wochenstunden, also um 11 Wochenstunden gekürzt werden sollen.

Der Philologenverband BW weist diese Pläne der grün-roten Landesregierung und des Kultusministeriums als unzumutbar zurück und fordert das Kultusministerium auf, umgehend eine Liste derjenigen Aufgabenbereiche vorzulegen, die nach Ansicht des KM so unwichtig sind, dass sie mit Beginn des nächsten Schuljahres entfallen sollen. "Wir hoffen, dem Herrn Kultusminister sind die Risiken seiner Politik bewusst", so der PhV-Vorsitzende Bernd Saur abschließend.

Siehe auch beiliegendes Informationsblatt!

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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden über 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt rund 8.000 im Verband organisierte Lehrerinnen und Lehrer an den 446 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.

Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der rund 27.000 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.

www.phv-bw.de

Downloads:
Pressemitteilung als PDF-Dokument
Bild des PhV BW-Vorsitzenden Bernd Saur

 

 

 

 

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