Stellungnahme des Philologenverbandes Baden-Württemberg zur geplanten Schulgesetzänderung und anderer Vorschriften:

Gegen die Einführung von Oberstufen an Gemeinschaftsschulen

Anlässlich der geplanten Änderung des Schulgesetzes wendet sich der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) gegen die Einrichtung von gymnasialen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen (GMS). Der PhV BW ist generell gegen die Einführung von Oberstufen an Gemeinschaftsschulen, weil dies eine (vor allem auch finanziell) unsinnige Parallelstruktur bedeutet, da den betreffenden Schülerinnen und Schülern die Oberstufen der allgemeinbildenden und der beruflichen Gymnasien offen stehen. Die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschulen werden dasselbe Abitur ablegen wie die Schülerinnen und Schüler am allgemeinbildenden Gymnasium, so dass eine eigene Oberstufe nicht vonnöten ist. Die ursprüngliche Argumentation, wonach eine GMS-Oberstufe nötig sei, weil man dort die pädagogische Arbeitsweise der Sekundarstufe I der GMS weiterführen wolle, ist durch diverse Stellungnahmen völlig entkräftet und entfällt als Begründung für die Einführung von GMS-Oberstufen ohnehin. Im Übrigen gibt es keinerlei Beleg für die Leistungsfähigkeit der Gemeinschaftsschule. Es ist falsch, eine Oberstufe für eine Schulart zu entwickeln, die bislang jeden Beweis ihrer Leistungsfähigkeit schuldig geblieben ist.

Fachaufsicht über die gymnasiale Oberstufe an der Gemeinschaftsschule

Der PhV BW begrüßt es, dass die Zuständigkeit für die Fachaufsicht über die gymnasiale Oberstufe der Gemeinschaftsschule, wenn sie denn nun eingeführt wird, auf die Regierungspräsidien verlagert wird (§ 33 SchG). Nach Ansicht des PhV BW müssen dies zur Vermeidung einer Doppelstruktur nicht die Referate 74, sondern die Referate 75 sein. Dabei bleibt jedoch ein Problem bestehen:

An der GMS-Oberstufe dürfen ausschließlich gymnasiale Lehrkräfte unterrichten. Auch die zu bestellenden Abteilungsleiter müssen Lehrkräfte des höheren Dienstes sein. Schulleiter und stv. Schulleiter können jedoch auch Lehrkräfte des gehobenen Dienstes sein, also beispielsweise ein "gelernter" Hauptschullehrer mit einer PH-Ausbildung (der nie an einem Gymnasium unterrichtet hat, weil er dafür gar keine Lehrbefähigung hat). Dieser Schulleiter beurteilt also gymnasiale Lehrkräfte (A13-A15), d.h. er schreibt die Dienstliche Beurteilung. Wir halten dies für nicht akzeptabel.

Änderung der Lehrkräfte-Arbeitszeitverordnung

An Gemeinschaftsschulen mit einer Oberstufe (geplant sind nun für das kommende Schuljahr zwei Standorte) sollen die gymnasialen Lehrkräfte 25 Wochenstunden unterrichten, unabhängig davon, ob sie in der Oberstufe unterrichten. An den übrigen 301 Gemeinschaftsschulen, also denen ohne Oberstufe, sollen gymnasiale Lehrkräfte 27 Wochenstunden unterrichten. Der PhV BW fordert, dass gymnasiale Lehrkräfte, die an einer GMS unterrichten, grundsätzlich ein Deputat von 25 Wochenstunden haben, weil sie ab Klasse 5 im E-Niveau unterrichten.

Zur zweiten Fremdsprache an eine GMS-Oberstufe

Nach § 12 der Verordnung soll in Klasse 11 der GMS mit einer spät beginnenden zweiten Fremdsprache begonnen werden (Französisch oder Spanisch) können, die dann bis zum Abitur belegt werden muss. Der PhV BW fordert, dass nicht nur die Ergebnisse von zwei, sondern aller vier Schulhalbjahre in die Gesamtqualifikation eingebracht werden müssen. Aufgrund des späten Beginns ist das Erreichen des B2-Niveaus unrealistisch. Hingegen muss das B1-Niveau festgeschrieben werden.

Denn (mindestens) eine zweite Fremdsprache bis zum Abitur mit Niveau B2 zu führen ist eine Standardanforderung des Gymnasiums. Sogar bei der im Sprachprofil in Klasse 8 beginnenden dritten Fremdsprache wird im Abitur das Niveau B2 erreicht. Der PhV BW fordert zunächst, dass sowohl fürs berufliche Gymnasium als auch für die geplante GMS-Oberstufe die Niveauangaben für die Fremdsprachen nach dem in ganz Europa üblichen GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen) vorgenommen werden. Dieser GER wurde europaweit als Vergleichsgröße eingeführt und es ist nicht akzeptabel, dass sich zwei baden-württembergische Schularten dem entziehen. Es ist grundsätzlich nicht zu verstehen, dass gymnasial begabte Kinder an der GMS die zweite Fremdsprache nicht ab der Klasse 6 belegen, wodurch sie beim Abitur ebenfalls auf das Niveau B2 kämen.

Klar ist, dass hiermit im Bereich der Fremdsprachenkenntnisse sowohl das Abitur des beruflichen Gymnasiums als auch das Abitur an einer GMS nicht dem Niveau des allgemeinbildenden Gymnasiums entsprechen.

PhV BW Landesvorstand



 

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