Arbeitslos im August – eine Schande für Baden-Württemberg!
29. Juli 2025
Pressemitteilung der Jungen Philologen im PhV BW vom 29.07.2025
Diese Woche beginnen die lang ersehnten Sommerferien in Baden-Württemberg. Für alle am Schulleben Beteiligten eine dringend nötige Pause, um das Schuljahr abzuschließen, sich von den Strapazen zu erholen und sich auf das neue Schuljahr vorbereiten zu können. Für alle? Nein, bei weitem nicht!
Mit dem Ende des Schuljahres am 31. Juli beginnt für hunderte frisch ausgebildete Lehrkräfte in Baden-Württemberg nicht etwa der Einstieg in ein geregeltes Berufsleben, sondern die Arbeitslosigkeit. Obwohl sie bereits eine feste Einstellungszusage für den Schuldienst im September haben, lässt das Land sie im August fallen. „Ein unhaltbarer Zustand, den wir als Verband für Gymnasiallehrkräfte aufs Schärfste kritisieren“, so Stefanie Schrutz, Landesvorsitzende der Junge Philologen im PhV BW.
„Während der Sommerferien investieren gerade diese motivierten Berufseinsteiger:innen – ehemalige Referendarinnen und Referendare – enorm viel Zeit, Energie und Geld in die Vorbereitung des neuen Schuljahres“, erörtert Stefanie Schrutz „Sie erstellen Unterrichtsmaterialien, konzipieren didaktische Einheiten, treffen sich mit zukünftigen Kolleg:innen und organisieren ihre Klassenräume. All das geschieht ohne Bezahlung, ohne vertragliche Absicherung, ohne jede Anerkennung durch das Land“, so Schrutz weiter.
Wir sagen: Diese Praxis ist beschämend, ungerecht – und nicht mehr hinnehmbar.
Unsere Forderungen:
- Verbeamtung oder Einstellung mit Dienstbeginn zum 1. August
Wer eine Einstellungszusage hat, muss auch nahtlos in ein Beschäftigungsverhältnis übergehen – wie es in anderen Bundesländern längst selbstverständlich ist.
- Vergütung der schulischen Vorbereitungszeit im August
Die Tätigkeit im August ist keine „freie Zeit“, sondern aktive Arbeitsleistung. Diese Arbeit muss entlohnt werden – entweder durch einen befristeten Vertrag oder durch eine offizielle Anerkennung im Rahmen des Dienstrechts.
- Gleichbehandlung von Berufseinsteiger:innen und befristet angestellten Lehrkräften
Seit 2023 werden befristet angestellte Lehrkräfte über die Sommerferien hinweg bezahlt: ein Erfolg, für den wir hart gekämpft haben. Dass dies für ehemalige Referendar:innen trotz fester Zusage nicht gilt, ist ein Systemversagen, das sofort behoben werden muss.
Wir fordern das Kultusministerium zum sofortigen Handeln auf:
„Unsere hochqualifizierten Nachwuchskräfte haben Besseres verdient als einen Start in den Lehrerberuf mit Arbeitslosigkeit und Existenzangst. Wer gute Schulen will, muss gute Rahmenbedingungen für Lehrkräfte schaffen – vom ersten Tag an!“ fordert Stefanie Schrutz, Landesvorsitzende der JuPhis.
Besonders zynisch wirkt diese Praxis im Lichte des jüngsten Skandals um 1.440 sogenannte „Geisterstellen“, die vom Kultusministerium jahrelang fälschlich als besetzt geführt wurden. Während qualifizierte Nachwuchslehrkräfte mit Einstellungszusage im August in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, zeigt sich nun, dass es offenbar sehr wohl ausreichend Planstellen gibt, sie wurden nur nie genutzt. Diese Diskrepanz zwischen Papierstatistik und schulischer Realität ist nicht nur ein bildungspolitisches Versagen, sondern ein Schlag ins Gesicht für alle, die mit Leidenschaft und Engagement in den Lehrkräfteberuf starten wollen.
Die Jungen Philologen in Baden-Württemberg vertreten die Interessen von etwa 4500 jungen Lehrkräften im Land. Sie sind Teil des Philologenverbands Baden-Württemberg (über 9000 Mitglieder), des BBW (140.000 Mitglieder) und des dbb (1.300.000 Mitglieder).
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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden knapp 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit über 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.
Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.