Ganztagsangebote an Gymnasien von Eltern nachgefragt: Bildungsmehrwert braucht Ressourcen!

5. August 2025

Pressemit­teilung des Philolo­gen­ver­bands Baden-Würt­tem­berg (PhV BW) zum The­ma Ganz­tagsange­bote an Gym­nasien

Zahlre­iche Eltern wün­schen sich, beson­ders für ihre Kinder in den Ein­gangsklassen, auch an Gym­nasien Förderungs‑, Zusatz- und Betreu­ungsange­bote am Nach­mit­tag. Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg (PhV BW) mah­nt hier­für eine ver­lässliche per­son­elle und räum­liche Ausstat­tung, aber auch real­is­tis­che Erwartun­gen an:

  • Ganz­tagsange­bote an Gym­nasien kön­nen päd­a­gogisch sin­nvoll sein, bleiben jedoch eine Ergänzung zum Kerngeschäft des Fachunter­richts.
  • Der Aus­bau solch­er Ange­bote ist nur mit zusät­zlichen per­son­ellen, räum­lichen und finanziellen Ressourcen real­isier­bar.
  • Ein durch­dacht­es Ganz­tagspro­gramm braucht klare Struk­turen, pro­fes­sionelle Unter­stützung und definierte Zeiträume für Lehrkräfte, deren Zeitaufwand sich im Dep­u­tat wider­spiegelt.
  • Der PhV BW fordert real­is­tis­che Rah­menbe­din­gun­gen statt Sym­bol­poli­tik und leer­er Reden.

Der PhV BW sieht im Ganz­tagsange­bot an Gym­nasien ein großes päd­a­gogis­ches Poten­zial – warnt aber ein­dringlich vor dem Ver­such eines Aus­baus ohne aus­re­ichende per­son­elle und materielle Ausstat­tung.

„Ganz­tagsange­bote und ‑pro­gramme kön­nen unsere Schulen päd­a­gogisch enorm bere­ich­ern – sie ermöglichen zusät­zliche Lern­räume, indi­vidu­elle Förderung und vielfältige Pro­jek­te“, betont Mar­ti­na Scher­er, Lan­desvor­sitzende des PhV BW. „Aber sie sind kein Selb­stläufer: Ohne gezielte Investi­tio­nen in Per­son­al, Räume und Struk­turen bleibt der Ganz­tag eine Über­forderung für alle Beteiligten.“

Ganz­tagsange­bote an Gym­nasien stellen eine Ergänzung zum reg­ulären Fachunter­richt dar. Sie eröff­nen unter anderem neue Wege der Begabten­förderung, wis­senschaftlichen Ver­tiefung, Inter­essensen­twick­lung und Pro­jek­tar­beit sowie der Per­sön­lichkeits­bil­dung in Kun­st, Musik oder Sport. Damit bilden sie ein wichtiges Instru­ment zur Bil­dungs­gerechtigkeit und ermöglichen vie­len Kindern Erfahrun­gen, die ihnen speziell in finanziell nicht priv­i­legierten Fam­i­lien oft­mals nicht möglich wären.

Diese erweit­erten päd­a­gogis­chen Möglichkeit­en erfordern jedoch klare Voraus­set­zun­gen:

  • Zusät­zliche Lehrkräfte, ins­beson­dere Koor­di­na­torin­nen und Koor­di­na­toren für den Ganz­tags­bere­ich sowie Stun­den­pools für Pro­jek­tun­ter­richt und Betreu­ung.
  • Koop­er­a­tions­beauf­tragte mit aus­re­ichend Anrech­nungsstun­den für die Zusam­me­nar­beit mit außer­schulis­chen Part­nern aus Wis­senschaft, Wirtschaft, Vere­inen, Kirchen und Kul­tur.
  • Pro­fes­sionelle Unter­stützungskräfte wie Schul­sozialar­beit, Schulpsy­cholo­gen, Bib­lio­theksper­son­al, Geräte­warte oder Leitungsper­son­al im Sport- und Freizeit­bere­ich.
  • Koop­er­a­tionsverträge mit Hochschulen, Musikschulen, gemein­nützi­gen Trägern und Vere­inen.
  • Räum­liche Infra­struk­tur wie eine voll­w­er­tige Men­sa, Bib­lio­theken, IT-Arbeit­sräume, Ruhe­bere­iche, Labore und Sport­frei­flächen.

„Es reicht nicht, ein paar Nach­mit­tagsstun­den mit irgendwelchen Aktiv­itäten zu füllen. Ganz­tag funk­tion­iert nur mit ein­er durch­dacht­en Struk­tur, die Bil­dungsqual­ität sichert und die Lehrkräfte nicht über­lastet“, so Mar­ti­na Scher­er. Sie fordert für die Lehrkräfte klare geset­zliche Regelun­gen und Erfas­sung der Arbeit­szeit­en, Zeit für Kor­rek­tur­phasen und Vor­bere­itungsräume.
Der PhV BW spricht sich dezi­diert nicht gegen Ganz­tagsange­bote aus, son­dern begrüßt diese Ergänzun­gen, mah­nt aber gle­ichzeit­ig zur klu­gen, dif­feren­zierten Umset­zung: Am all­ge­mein­bilden­den Gym­na­si­um muss weit­er­hin der Fachunter­richt im Zen­trum ste­hen – ergänzt durch qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Ganz­tagsange­bote. Das kann nicht erset­zt wer­den durch eine über­stürzte und inhaltlich man­gel­hafte Betreu­ungsausweitung, die nur eine „Auf­be­wahrung“ der Kinder darstellt. Wenn die Poli­tik­er ihre vielbeschwore­nen State­ments zur Förderung ein­er uner­lässlichen Bil­dungs- und Chan­cen­gerechtigkeit ehrlich meinen, dann müssen sie auch die Mit­tel bere­it­stellen!

„Wir ste­hen zum hohen Bil­dungsanspruch des Gym­na­si­ums. Wer Ganz­tag ernst meint, muss ihn auch solide finanzieren und pro­fes­sionell umset­zen“, erk­lärt die PhV-Lan­desvor­sitzende abschließend.

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An den Gym­nasien des Lan­des Baden-Würt­tem­berg wer­den knapp 300.000 Schü­lerin­nen und Schüler unter­richtet. Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg e.V. (PhV BW) ver­tritt mit über 9.000 im Ver­band organ­isierten Mit­gliedern die Inter­essen der Lehrerin­nen und Lehrer an den 462 öffentlichen und pri­vat­en Gym­nasien des Lan­des.

Im gym­nasialen Bere­ich hat der Philolo­gen­ver­band BW sowohl im Haupt­per­son­al­rat beim Kul­tus­min­is­teri­um als auch in allen vier Bezirksper­son­al­räten bei den Regierung­sprä­si­di­en die Mehrheit und set­zt sich dort für die Inter­essen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gym­nasien des Lan­des ein.

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