Hitzeschutz ist Qualitätsschutz: PhV BW fordert Thermometer und Hygrometer für jedes Klassenzimmer und jeden Fachraum in den Schulen!
20. Juli 2026
Pressemitteilung des Philologenverbands Baden-Württemberg (PhV BW) zum Thema Hitzeschutz an Schulen
Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) fordert eine sofortige und flächendeckende Ausstattung aller Klassenzimmer im Land mit kombinierten Thermometern und Hygrometern – als ersten Schritt zu verbindlichen Hitzeschutz-Regeln für den Unterricht. Denn eines fehlt bislang völlig: eine rechtlich verbindliche, kombinierte Grenze aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit, ab der Unterricht angepasst oder abgebrochen werden muss.
Viele Schulgebäude in Baden-Württemberg bieten im Sommer unzureichenden Schutz vor der Hitze, da bauliche Maßnahmen fehlen und Klimatisierungen aufgrund hoher Kosten kaum vorhanden sind. Die Folgen für den Unterricht sind gravierend: Hohe Temperaturen machen konzentriertes Lernen oft unmöglich, selbst wenn auf dem Schulgelände außerhalb des Klassenzimmers noch keine 30 Grad gemessen werden.
Besonders die Luftfeuchtigkeit wird in der aktuellen Debatte de facto ignoriert. In Klassenzimmern mit rund 30 schwitzenden Schülerinnen und Schülern steigt die relative Luftfeuchtigkeit bei geschlossenen Fenstern rasant an, wenn man wegen der draußen herrschenden Hitze die Fenster nicht öffnen kann. Dies erklärt, warum Räume auch schon bei niedrigeren Temperaturen unerträglich schwül werden – ein Effekt, den reine Temperaturgrenzwerte systematisch unterschätzen.
Dass der Gesetzgeber Temperatur und Luftfeuchtigkeit grundsätzlich zusammen denkt, zeigt die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“: Sie legen für Arbeitsräume eine kombinierte Schwülegrenze fest. Diese liegt:
• bei 22 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 %,
• bei 24 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 62 % und
• bei 26 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 55 %.
Diese Werte gelten unmittelbar nur für einen technischen Spezialfall (den Einsatz raumlufttechnischer Anlagen) und lassen sich nicht unbesehen auf klassische, fensterbelüftete Klassenzimmer übertragen. Genau das ist aus Sicht des PhV BW aber das Problem: Für den Regelfall Klassenzimmer existiert bislang keine verbindliche Kombigrenze aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit – obwohl das zugrundeliegende Prinzip im Arbeitsschutzrecht längst anerkannt ist. Diese Lücke muss geschlossen werden.
Der PhV BW fordert deshalb:
• Die flächendeckende Ausstattung aller Klassenzimmer mit kombinierten Thermometern und Hygrometern, um die tatsächliche Belastung überhaupt objektiv erfassen zu können.
• Die Entwicklung verbindlicher, an das Prinzip der Schwülegrenze angelehnter Kombi-Grenzwerte speziell für Klassenzimmer mit klaren Handlungsfolgen (Sonnenschutz, ggf. Anpassung oder Abbruch des Unterrichts).
• Investitionen in bauliche Maßnahmen – Fenster, die gefahrlos komplett zu öffnen sind, Sonnenschutz, Nachtauskühlung, ausreichende Lüftungs- und Klimatisierungsmöglichkeiten – damit Grenzwertüberschreitungen möglichst gar nicht erst eintreten.
Martina Scherer: „Es geht um die Qualität des Unterrichts und nicht um bloße Befindlichkeiten“, so die Landesvorsitzende des PhV BW. „Wir wollen nachhaltig unterrichten, und unsere Schülerinnen und Schüler brauchen diesen wirksamen Unterricht. Das funktioniert jedoch dauerhaft nur unter erträglichen Bedingungen, da andernfalls die Bildungsqualität massiv leidet. Wenn wir die Zukunft unserer Kinder mit erfolgversprechenden Perspektiven gestalten wollen, dürfen wir sie nicht in überhitzten, stickigen Klassenzimmern sitzend im Stich lassen. Dafür brauchen wir zuerst verlässliche Messwerte – und dann klare, verbindliche Regeln zum Schutz der Gesundheit.“
***
An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden knapp 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit über 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.
Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.