Realschulprüfung an Gemeinschaftsschulen: Philologenverband sieht Tendenz zum Mittelmaß

 

Stuttgart, 25. September 2018
Az. 1811 / 2018-24

Bei der gestrigen Landespressekonferenz des „Vereins für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg e.V.” wurden vom Verein selbst erhobene Daten zur erstmaligen Realschulprüfung an den Gemeinschaftsschulen (GMS) im vergangenen Schuljahr präsentiert. Diese Daten wurden im Rahmen einer freiwilligen Umfrage von 30 der insgesamt 41 zum Schuljahr 2012/2013 eingerichteten GMS zurückgemeldet.

Der Vorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW), Ralf Scholl, kommentiert die bei der Pressekonferenz vorgelegten Daten wie folgt:

„Da elf der insgesamt 41 öffentlichen Starterschulen (mit mehr als einem Viertel der Zehntklässler dieses ersten GMS-Jahrgangs) in der Umfrage nicht berücksichtigt sind, ist eine systematische Verzerrung der Daten in Richtung positiver Ergebnisse wahrscheinlich, denn für Schulen, die gut oder besonders gut abgeschnitten haben, gab es ja keinen Grund, ihre Ergebnisse nicht zurückzumelden. Auffällig ist zudem das ohrenbetäubende Schweigen des Kultusministeriums zu den Ergebnissen der ersten Realschulprüfungen an den Gemeinschaftsschulen.

Was zeigt nun die Auswertung der Daten?
• Ein etwas schlechteres Abschneiden der GMS im Vergleich zu den Realschulen - in Deutsch auf ähnlichem Niveau, in Mathematik deutlich schwächer.
• Verglichen wurde nur das jeweilige Gesamtergebnis aus Vornote + zentraler schriftlicher Prüfung + schulischer mündlicher Prüfung.

Was wurde gar nicht erst thematisiert?
Von den knapp 2.100 Starter-SchülerInnen im Jahr 2012 (siehe: https://www.statistik-bw.de/Service/Veroeff/Monatshefte/PDF/Beitrag14_05_02.pdf) kamen 1.635 an ihrer GMS bis in die 10. Klasse. Die Differenz von über 450 SchülerInnen (z.T. Abgang nach der Hauptschulabschlussprüfung in Klasse 9, z.T. Abgang auf andere Schulformen) wurde nicht einmal erwähnt. Sie ließ sich nur durch Rückgriff auf Daten des statistischen Landesamtes ermitteln.
Alle in der Pressemitteilung angegebenen Prozentzahlen zum Bildungsaufstieg (die sich ausschließlich auf die Schülerzahlen der 10. Klassen beziehen) liegen also deutlich zu hoch, wenn man den Erfolg der GMS bezüglich aller ihrer SchülerInnen ermitteln will.

Von den 16 % SchülerInnen der 10. Klassen, die eine Gymnasialempfehlung hatten, erreichten weniger als 90 % eine Versetzung in die Oberstufe gemäß gymnasialer Versetzungsordnung. Für gymnasiale Schüler ist die GMS damit nicht sonderlich zielführend.

Von daher sollte das Resümee dieser Pressekonferenz der GMS-Befürworter für den Erfolg der Gemeinschaftsschule wohl treffender „Tendenz zum Mittelmaß” statt „GMS ermöglicht Bildungsaufstieg” lauten.

Außerdem weist der PhV darauf hin, dass es für diese „Erfolge” einen einfachen weiteren Grund gibt: Die Klassen, sprich: „Lerngruppen”, an den GMS sind deutlich kleiner als die Klassen an Realschulen und Gymnasien, und die Sachmittel-Zuweisungen pro GMS-Schüler mit ca. 1.300 Euro jährlich um mehr als 500 Euro höher als für die Schüler an Realschulen und Gymnasien.

Die Forderung nach zusätzlichen Mitteln für die Gemeinschaftsschulen erscheint unter dieser Perspektive reichlich unverschämt. Einem Vergleich unter gleichen Bedingungen können sowohl Realschulen wie auch Gymnasien mit großer Gelassenheit entgegensehen.“

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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden über 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit rund 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.

Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der ca. 30.000 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.