Der Philologenverband begrüßt nachdrücklich, dass das Kultusministerium endlich den Unterrichtsausfall genauer in den Blick nimmt. Der PhV widerspricht der Kultusministerin aber scharf, wenn sie von einer „Blockadehaltung der Hauptpersonalräte” spricht.

 

„Die Personalvertretungen verstehen und teilen den Wunsch von Kultusministerin und Eltern nach genaueren Daten zum Unterrichtsausfall und zur Vertretungssituation.” erklärt der PhV-Vorsitzende, Ralf Scholl.

Dass sie eine detailliertere Auswertung ablehnen müssen, kommt daher, dass mit diesen Vollerhebungen erneut massive Zusatzarbeit auf die Schulleitungen zukommt, ohne dass für diese Zusatzarbeit irgendwelche Zeit-Ressourcen bereitgestellt werden.

„So lange sich an jedem Gymnasium, an jeder Schule die Vertretungsplaner hinsetzen müssen, um in mehrstündiger Arbeit jede einzelne ausfallende, vertretene oder verlegte Stunde mühsam von Hand mit Hilfe von Strichlisten zu kategorisieren, so lange bleibt der Personalvertretung gar keine Wahl, als eine differenziertere Erhebung als bisher abzulehnen”, führt Scholl aus.

Die an den Schulen verwendete Vertretungs-Planungs-Software erlaubt bislang lediglich eine Raumplanung und Lehrerzuweisung, keinerlei Erfassung und Kategorisierung der Qualität von Vertretungsunterricht. Schnittstellen dieser Planungssoftware zu den statistischen Erhebungsprogrammen der Kultusverwaltung sind erst in der Entwicklung bzw. den Herstellern bislang nicht vorgeschrieben.

In einer Zeit, in der das Kultusministerium das Thema „Digitalisierung” als einen seiner wichtigsten Schwerpunkte betrachtet, kann man hier doch mehr erwarten, als eine solche Notlösung.

Und wenn man schon - aufgrund der Dringlichkeit der Situation - zu dieser Notlösung greift, dann bitte nicht auf Kosten der Schulleitungen, für die das Kultusministerium doch gerade erst ein Entlastungskonzept angekündigt, aber noch nicht umgesetzt hat.

„Hier hat man den Eindruck das Kultusministerium gibt Vollgas bei festgefressener Bremse”, so Scholl.

Außerdem zeigt sich der Philologenverband befremdet darüber, dass die Kultusministerin ihren Konflikt mit den schulischen Hauptpersonalräten in die Öffentlichkeit trägt: „Würde ein Personalrat dies tun, könnte man ihm ‚Flucht in die Öffentlichkeit’ vorwerfen.” so Scholl.

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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden über 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit rund 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.

Im gymnasialen Bereich verfügt der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien über die Mehrheit, stellt die jeweiligen Vorsitzenden und setzt sich dort für die Interessen der ca. 30.000 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.