PhV BW fordert umgehende Freigabe der Gelder aus dem Digitalpakt

 

Anlässlich der ersten Sitzung des Vermittlungsausschusses wendet sich der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) mit folgenden Forderungen an die beteiligten Politiker:

Sorgen Sie für eine schnelle Freigabe der seit zwei Jahren angekündigten 5 Mrd. Euro!

Die Kommunen als Schulträger sind aufgrund der Verzögerungen beim Digitalpakt zum Abwarten übergegangen. Verständlicherweise will keine Kommune in die digitale Infrastruktur der Schulen investieren, bevor der Finanzierungsrahmen geklärt ist.

Seit zwei Jahren führen die Verzögerungen beim Digitalpakt damit zum weitgehenden Stillstand des digitalen Ausbaus der Schulen.

Der PhV BW ruft die beteiligten Landes- und Bundespolitiker weiter auf: Trennen Sie den Digitalpakt von der grundsätzlichen Diskussion um die Bund-Länder-Hoheit bei der Bildung, sonst werden die Mittel auch 2020 noch nicht fließen! Dieser Streit wird auf Kosten des digitalen Fortschritts an den Schulen ausgetragen!

„Eigentlich wäre es an der Zeit, alle beteiligten Politiker — wie die Kardinäle bei der Papst-Wahl — hinter verschlossenen Türen einzusperren, bis sie sich geeinigt haben und weißer Rauch aufsteigen kann!“, so der PhV-Vorsitzende Ralf Scholl.

So sehr die Bedenken des Bundes nachzuvollziehen sind, dass die Digitalpakt-Milliarden im allgemeinen Haushalt der Länder versickern und nicht an den Schulen ankommen, so verständlich sind auch die Bedenken der Länder, dass ihre Bildungshoheit eingeschränkt werden soll.

„Als Politiker sind Sie aber gewählt worden, nicht um Probleme zu suchen, sondern um Probleme effizient zu lösen. Machen Sie endlich Ihre Arbeit!“, erklärt Ralf Scholl.

Zur Verwendung der Digitalpakt-Mittel merkt der PhV BW folgendes an:

Statt von Notebook-Klassen zu fantasieren, deren Nutzen sehr zweifelhaft ist, sind mit den Mitteln aus dem Digitalpakt folgende Maßnahmen an den Schulen vorrangig:

1. Jede Schule muss einen schnellen Internetanschluss bekommen. (Auch die Schulen auf dem Land, weitab von schneller Internet-Infrastruktur.)
2. In jedem Klassenzimmer muss ein ganz normaler Beamer fest an der Decke installiert werden.
3. Jedem Lehrer muss ein Dienst-Notebook oder -Tablet zur Verfügung gestellt werden, das er problemlos an den Beamer anschließen kann.
4. Die Wartung und der Unterhalt der digitalen Schul-Infrastruktur müssen durch die Schulträger (also die Kommunen) garantiert sein. Diese Aufgaben dürfen nicht weiterhin engagierten, aber völlig überlasteten Lehrkräften übertragen werden, und schon gar nicht zum Teil noch unbezahlt in der Freizeit.

Erst wenn diese Grundforderungen erfüllt sind, ist es überhaupt sinnvoll, über eine weitergehende Digitalisierung an den Schulen zu reden. „Wenn die Lehrer nicht flächendeckend mit Notebooks oder Tablets ausgerüstet sind, wie sollen sie dann ihre Schüler in eine digitale Zukunft führen?“, fragt der PhV-Vorsitzende Ralf Scholl.

Ein Programm, das an den Schulen Klassensätze von Notebooks oder Tablets ausschüttet, die dann nicht professionell gewartet werden, ist ansonsten nur ein massives Unterstützungsprogramm für Hard- und Softwarehersteller, denn wirklich genützt werden könnten solche Geräte bestenfalls bis zum ersten Ausfall.

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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden über 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit rund 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.

Im gymnasialen Bereich verfügt der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien über die Mehrheit, stellt die jeweiligen Vorsitzenden und setzt sich dort für die Interessen der ca. 30.000 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.