Nach dem zweijährigen Trauerspiel um den Digitalpakt zwischen Bund und Ländern können die Gelder jetzt fließen. „Endlich!“, kommentiert dies der Vorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW), Ralf Scholl.

 

„Wir bewerten den jetzt erreichten Kompromiss als sehr positiv, da er den Kommunen als Schulträgern nicht nur Mittel für Hardware-Anschaffungen, sondern auch Gelder für die Wartung und Instandhaltung der angeschafften Geräte in die Hand gibt. Dies war eine unserer aus dem Schulalltag heraus entstandenen Forderungen.“

Der Philologenverband hoffe, dass jetzt auch seine weiteren Forderungen vom Land und den Kommunen gehört werden:

1. Ausstattung aller Schulen mit schnellem Internetzugang (und sei es drahtlos oder via Satellit, wo keine entsprechende Infrastruktur per Kabel vorhanden ist)
2. Ausstattung der Schulen mit LAN bzw. WLAN, das alle Unterrichtsräume abdeckt
3. Ausrüstung aller Klassenzimmer mit jeweils einem fest installierten Beamer
4. Ausrüstung aller Lehrkräfte mit einem Dienstnotebook oder -tablet (nach Wahl)
5. Flächendeckender Support für die Schul- und Lehrer-Geräte durch die Kommunen

„Erst wenn diese fünf grundlegenden Forderungen komplett umgesetzt sind, was allein schon deutlich mehr als die Hälfte der zur Verfügung stehenden Gelder kosten wird, machen weitergehende Überlegungen Sinn“, so Ralf Scholl.

Die Ausrüstung aller Lehrkräfte mit Dienstgeräten (größeren Versionen der Notebooks bzw. Tablets, die dann auch den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen werden) schaffe überhaupt erst die Grundvoraussetzung, damit es bezüglich „Digitalisierung“ an der Schule auch im Unterricht einen deutlichen Impuls gibt.
„Wie sollen Lehrer denn eigentlich die Digitalisierung voranbringen, wenn sie sich im Unterricht und bei ihrer Vorbereitung - wie bisher - ihrer ganz unterschiedlichen privaten Geräte bedienen müssen?“, fragt der PhV-Vorsitzende.

Der PhV BW betrachtet es als sinnvoll, die nach Umsetzung der obigen Schritte noch verbleibenden Gelder schwerpunktmäßig an den weiterführenden Schulen zu investieren, da die Auswirkungen einer massiven Digitalisierung auf die Gehirnentwicklung von Kindern im und unterhalb des Grundschulalters bislang nicht zweifelsfrei geklärt sind.

Für absolut nicht sinnvoll hält der Philologenverband die „blinde“ Anschaffung von Notebooks oder Tablets für alle Schüler oder die Ausrüstung aller Klassenräume mit Smartboards. Für eine solche flächendeckende Ausrüstung wären die 600 Digitalpakt-Millionen für BW (bei 1 Million Schüler an öffentlichen Schulen) zum einen nicht ausreichend. Außerdem gebe es für den Einsatz dieser Geräte im Unterricht keine flächendeckenden, ausgereiften pädagogischen Konzepte. „Dies wäre dann einzig und allein ein Geldregen zu Gunsten der Hard- und Software-Hersteller - ein Geldsegen, der dann im Drei- bis Vier-Jahres-Rhythmus immer wieder neu ausgeschüttet werden müsste, da digitale Geräte in diesem Tempo veralten“, erklärt Ralf Scholl abschließend.

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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden über 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit rund 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.

Im gymnasialen Bereich verfügt der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien über die Mehrheit, stellt die jeweiligen Vorsitzenden und setzt sich dort für die Interessen der ca. 30.000 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.