„Neue Sekundarschule“ — Propaganda für ein blutleeres Konzept!
6. März 2026
Pressemitteilung des Realschullehrerverbands (RLV) und des Philologenverbands (PhV) Baden-Württemberg vom 06.03.2026
„NEUE SEKUNDARSCHULE“ — Propaganda für ein blutleeres Konzept!
Eine Woche nach der Landespressekonferenz von RLV und PhV BW — es bleibt dabei:
• Stärkung statt Abschaffung bewährter Schularten!
• Differenzierung statt Nivellierung!
• Praxiswissen und Erfahrung ernst nehmen!
• Stabilität und Verlässlichkeit im Bildungssystem!
• Qualität vor Ideologie!
Differenzierung stärken anstatt neue Einheitsschule planen
Während das bewährte Schulsystem trotz der Bestrebungen bestimmter Interessengruppen nicht wegzukriegen ist, weil Eltern sich trotz massiver politischer Angriffe auf die erprobte Struktur der differenzierten Schularten und auf ihre professionelle Methodik und Didaktik verlassen, wird jetzt ein neues Wunschkonstrukt auf dem Reißbrett entworfen. „Auf die Gefahren dieses Konglomerats und auf die erprobten Alternativen haben wir gemeinsam mit dem Realschullehrerverband in einer Landespressekonferenz vor einigen Tagen ausführlich hingewiesen“, so Martina Scherer, Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg.
Eine Gruppe von zehn Bildungsforschern möchte vermeintlich die „Stärken aller tradierten Schularten unter einem Dach vereinen“, konstatiert schwärmerisch die Stuttgarter Zeitung wenige Tage vor der für die kommende Bildungspolitik entscheidenden Landtagswahl in Baden-Württemberg.
„Die fiktiv schöngezeichnete Einheitsschule aus Realschule, Werkrealschule und Förderschule ist, so scheint es, ein Lieblingsprojekt der Medien, greift aber keineswegs die Realität an unseren Schulen und die Unterschiedlichkeit unserer Kinder auf – sie ist ein blutleeres Konstrukt vom Reißbrett!“, stellt Karin Broszat, Landesvorsitzende des Realschullehrerverbands Baden-Württemberg, fest.
Eine Woche nach der gemeinsamen Landespressekonferenz bekräftigen der Realschullehrerverband (RLV) und der Philologenverband (PhV) Baden-Württemberg als Vertreter der zwei beliebtesten und größten Schularten ihre klare gemeinsame Position: Baden-Württemberg braucht keine hypothetische „Neue Sekundarschule“, sondern eine konsequente Stärkung unserer tradierten, bewährten und beliebten Schularten des differenzierten Schulsystems.
Bewährte Schulen statt ideologischer Struktur-Basteleien!
Gymnasium, Realschule und Werkrealschule stehen für klar profilierte Bildungswege, leistungsgerechte Anforderungen und passgenaue Abschlüsse. Ergänzt werden sie durch Förderschulen und berufliche Schulen. Dieses mehrgliedrige System trägt der Unterschiedlichkeit der Begabungen und Lernvoraussetzungen von Kindern Rechnung – und genau darin liegt seine Stärke. Die passende Schulart für jedes Kind und nicht eine Schule für alle! Zudem sind in unserem Schulsystem durch sein Baukasten-Prinzip „Kein Abschluss ohne Anschluss“ alle Abschlüsse möglich – jeder Jugendliche kann alle Qualifikationen erreichen.
Kein messbarer Erfolg der Gemeinschaftsschule – wieso noch ein weiteres Experiment mit einer Sekundarschule?
Die Einführung der Gemeinschaftsschule war mit hohen Erwartungen verbunden. Ein messbarer, externer Nachweis eines nachhaltigen Erfolgs steht jedoch bis heute aus. Weder konnten Leistungsunterschiede entscheidend reduziert noch ein überzeugender Qualitätsvorsprung belegt werden.
„Wenn nun genau die gleichen Personen, die schon 2014 das Ende der Realschule propagierten, ein neues Experiment mit der Bildung unserer Kinder starten, ist Misstrauen angebracht. Zentrale Argumente aus der schulischen Praxis müssen schwerer wiegen als die Thesen einzelner, politisch klar auf einer Seite verorteter Arbeitsgruppen — insbesondere in zeitlicher Nähe zu einer Landtagswahl,“ so Karin Broszat.
„Nach der Gemeinschaftsschule, deren Leistungsfähigkeit und Lernergebnisse seit ihrer Einführung nie extern wissenschaftlich evaluiert wurde, soll nun mit der Sekundarschule erneut ein Versuch zur Vereinheitlichung gestartet werden“, erklärt Martina Scherer. „Statt eine ehrliche Bilanz zu ziehen und bewährte Schularten gezielt zu stärken, gibt es offenbar ideologisch basierte Bestrebungen für eine nächste Strukturreform.“
Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage: Wenn bereits ein Vereinheitlichungsmodell keinen nachweisbaren Erfolg erbracht hat – warum soll nun eine weitere derartige Schulform die Lösung sein?
RLV und PhV setzen dem bewusst die Perspektive der Schulpraktiker entgegen – jener Lehrkräfte und Schulleitungen, die täglich als Experten Verantwortung im differenzierten System tragen und dessen Leistungsfähigkeit aus eigener Erfahrung beurteilen können.
Fazit: Differenzierung statt Nivellierung
Baden-Württemberg verfügt über ein leistungsfähiges, differenziertes Schulsystem mit hoher Akzeptanz bei Eltern, Wirtschaft und Hochschulen. Statt erneut strukturelle Experimente zu starten, braucht es Stabilität, verlässliche Rahmenbedingungen und die gezielte Stärkung der bestehenden Schularten.
Differenzierung statt Nivellierung – das ist aus Sicht von RLV und PhV der richtige Weg für die Zukunft der Bildung im Land.
Hier geht es zur Pressemitteilung zur LPK am 26.02.2026:
https://www.phv-bw.de/phv-und-rlv-zur-staerkung-des-differenzierten-schulsystems/
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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden knapp 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit über 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.
Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.