PhV BW begrüßt die Ausschreibung von 2.800 Stellen, fordert jedoch eine nachhaltige und vorausschauende Einstellungspolitik insbesondere für das Gymnasium

2. März 2026

Zumel­dung des Philolo­gen­ver­bands Baden-Würt­tem­berg (PhV BW) zur Pressemit­teilung des Kul­tus­min­is­teri­ums „2.800 Lehrkräfte gesucht“ vom 02.03.2026:

• Der PhV BW begrüßt die Auss­chrei­bung von 2.800 Stellen, fordert jedoch eine nach­haltige und vorauss­chauende Ein­stel­lungspoli­tik ins­beson­dere für das Gym­na­si­um.
• Der G9-bed­ingte Über­hang kann durch päd­a­gogisch und per­son­alpoli­tisch sin­nvolle Maß­nah­men abgefed­ert wer­den, um schon jet­zt mehr Lehrkräfte direkt am Gym­na­si­um ein­stellen und beschäfti­gen zu kön­nen.
• Abor­d­nun­gen mit Rück­kehrgarantie kön­nen eine Über­gangslö­sung sein, dür­fen aber nicht zum Regelfall wer­den.
• Die Stärkung des dif­feren­zierten Schul­sys­tems erfordert eine ver­lässliche per­son­elle Ausstat­tung aller Schu­larten.

Zur heuti­gen Auss­chrei­bung von 2.800 Lehrerstellen durch das Kul­tus­min­is­teri­um nimmt die Lan­desvor­sitzende des PhV BW, Mar­ti­na Scher­er, wie fol­gt Stel­lung: „Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg begrüßt aus­drück­lich, dass das Land frühzeit­ig und in erhe­blichem Umfang Stellen auss­chreibt, um den Bedarf an Lehrkräften zum kom­menden Schul­jahr zu deck­en. Die Sicherung ein­er hochw­er­ti­gen Unter­richtsver­sorgung ist eine zen­trale bil­dungspoli­tis­che Auf­gabe – und sie entschei­det maßge­blich über die Zukun­ftschan­cen unser­er Kinder und Jugendlichen.“

Gle­ichzeit­ig zeigt die Pressemit­teilung des Kul­tus­min­is­teri­ums deut­lich die struk­turellen Span­nun­gen, die sich aus der Umstel­lung auf G9 ergeben. Der tem­poräre Über­hang an Gym­nasien ist eine bekan­nte Folge dieser Reform. Er darf jedoch nicht dazu führen, dass gut aus­ge­bildete Gym­nasiallehrkräfte dauer­haft aus ihrem orig­inären Berufs­feld gedrängt wer­den oder Baden-Würt­tem­berg ver­lassen.

„Wer sich bewusst für das Lehramt am Gym­na­si­um entschei­det, muss auch ver­lässlich am Gym­na­si­um eine Per­spek­tive erhal­ten. Pla­nungssicher­heit ist die Grund­lage für eine nach­haltige Per­son­alpoli­tik“, betont Mar­ti­na Scher­er. „Wir brauchen jet­zt kluge, vorauss­chauende Entschei­dun­gen, damit wir 2031 und 2032, wenn G9 in der Kursstufe ange­langt ist, nicht unlieb­same Über­raschun­gen erleben, wie es aktuell in Bay­ern der Fall ist.“

Aus Sicht des PhV BW kann der derzeit­ige Über­hang durch gezielte Maß­nah­men spür­bar gemildert und sin­nvoll genutzt wer­den:

• Sofor­tige Aufhe­bung der Beschränkun­gen bei Teilzeit und Sabbat­jahr sowie die Möglichkeit, auch außer­halb der bish­eri­gen Fris­ten noch Teilzei­tanträge für das kom­mende Schul­jahr zu stellen.
• Zuweisung zusät­zlich­er Lehrerstellen für den Ganz­tag im Zuge von G9 sowie für notwendi­ge Klassen­teilun­gen z.B. im Fach „Infor­matik und Medi­en­bil­dung“.
• Förderbe­darf ist in jed­er Klasse sicht­bar. Mit zusät­zlichen Stun­den wäre hier eine gezielte Unter­stützung der Schü­lerin­nen und Schüler möglich.
Diese Schritte wür­den es ermöglichen, mehr aus­ge­bildete Gym­nasiallehrkräfte unmit­tel­bar am all­ge­mein­bilden­den Gym­na­si­um einzustellen und dort zu beschäfti­gen – im Sinne ein­er nach­halti­gen und ver­ant­wor­tungsvollen Ein­stel­lungspoli­tik.

Mit Blick auf die von Kul­tus­min­is­terin There­sa Schop­per her­vorge­hobe­nen Alter­na­tiv­en an anderen Schu­larten gilt: Abor­d­nun­gen mit Rück­kehrgarantie kön­nen in ein­er Über­gangsphase ein gang­bar­er Weg sein. Sie dür­fen jedoch nicht zum Regelfall wer­den. Es beste­ht die reale Gefahr, dass qual­i­fizierte Bewer­berin­nen und Bewer­ber andern­falls in andere Bun­deslän­der abwan­dern – etwa nach Bay­ern, wo gym­nasiale Lehrkräfte drin­gend gesucht wer­den.

Der Philolo­gen­ver­band beken­nt sich aus­drück­lich zur Stärkung des dif­feren­zierten Schul­sys­tems in Baden-Würt­tem­berg – let­zten Don­ner­stag (26.02.2026) berichtete der PhV BW in sein­er gemein­samen Lan­despresskon­ferenz mit dem Realschullehrerver­band Baden-Würt­tem­berg darüber. Jede Schu­lart hat ihren eige­nen päd­a­gogis­chen Auf­trag und ihre eigene fach­liche Aus­rich­tung. Die Pressemit­teilung von RLV und PhV BW zu dieser Lan­despressekon­ferenz find­en Sie unter https://www.phv-bw.de/phv-und-rlv-zur-staerkung-des-differenzierten-schulsystems/.

Für die Zukun­ft ist entschei­dend, jet­zt ein per­son­elles Pol­ster aufzubauen, um den abse­hbaren Mehrbe­darf in den kom­menden Jahren abzufed­ern. Pos­i­tiv bew­ertet der PhV BW, dass das Kul­tus­min­is­teri­um zulet­zt mit der Rück­kehrgarantie ans Gym­na­si­um ein wichtiges Sig­nal geset­zt hat. Dieser Weg muss unbe­d­ingt weit­erge­gan­gen wer­den, damit das Studi­um für das gym­nasiale Lehramt attrak­tiv bleibt – mit dem klaren Ziel, Lehrkraft an einem Gym­na­si­um zu wer­den und zu bleiben.

***

An den Gym­nasien des Lan­des Baden-Würt­tem­berg wer­den knapp 300.000 Schü­lerin­nen und Schüler unter­richtet. Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg e.V. (PhV BW) ver­tritt mit über 9.000 im Ver­band organ­isierten Mit­gliedern die Inter­essen der Lehrerin­nen und Lehrer an den 462 öffentlichen und pri­vat­en Gym­nasien des Lan­des.

Im gym­nasialen Bere­ich hat der Philolo­gen­ver­band BW sowohl im Haupt­per­son­al­rat beim Kul­tus­min­is­teri­um als auch in allen vier Bezirksper­son­al­räten bei den Regierung­sprä­si­di­en die Mehrheit und set­zt sich dort für die Inter­essen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gym­nasien des Lan­des ein.

Im Sinne unserer Mitglieder verwendet diese Webseite bis auf einen technisch notwendigen Cookie keine Cookies. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen