PhV BW zur Einkommensrunde TV‑L 2025/26
21. Januar 2026
Pressemitteilung des Philologenverbands Baden-Württemberg (PhV BW)
- TV-L-Einkommensrunde: Philologenverband Baden-Württemberg fordert adäquates Angebot der Arbeitgeber
- „Wertschätzung darf kein Phantom sein“ Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) fordert in der laufenden TV-L-Einkommensrunde ein sofortiges, substanzielles Angebot der Arbeitgeberseite.
Kernforderungen des Verbands sind: - 7 Prozent mehr Tabellenentgelt, mindestens jedoch 300 Euro monatlich
- 200 Euro monatlich mehr für Auszubildende und Studierende
- Eine tarifliche Entwicklung, die den Lehrerberuf wieder attraktiv macht
- Die systematische Erfassung der realen Arbeitszeit von Lehrkräften
- Die Anerkennung und Entlastung von nach außen „unsichtbaren“ Aufgaben, die den Schulbetrieb im Inneren tragen
Hintergrund ist der weiterhin stockende Verlauf der Verhandlungen. In den bisherigen Runden habe die Arbeitgeberseite noch immer kein konkretes Angebot vorgelegt – während die Belastung an den Schulen weiter zunehme.
Mit zwei Aktionen macht der PhV BW auf die Situation aufmerksam: Am Samstag, 17.01.2026 wurde in Stuttgart-Bad Cannstatt eine Aktion zu den „Geister-Stellen“ durchgeführt, und am heutigen Mittwoch, 21.01.2026, wird in Kooperation mit dem Berufsschullehrerverband (BLV) eine Mahnwache vor dem Finanzministerium in Stuttgart stattfinden.
Beide Aktionen wurden und werden von der Vertreterin des PhV BW in der Bundestarifkommission des dbb beamtenbund und tarifunion, Ursula Kampf, und dem Vorsitzenden der Landestarifkommission des BBW — Beamtenbund Tarifunion, Jörg Feuerbacher, mit starken Redebeiträgen unterstützt.
„Was wir derzeit erleben, ist eine Politik des Wegduckens“, erklärt die Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, Martina Scherer. „Die Arbeitsverdichtung nimmt zu, Lehrkräfte arbeiten an der Belastungsgrenze und darüber hinaus – doch konkrete Angebote bleiben aus. Echte Wertschätzung darf kein Trugbild sein, keine Fata Morgana, die verschwindet, wenn man sich annähern will. Sie muss sich auf der Gehaltsabrechnung und im realen Schulalltag zeigen.“
Besonders kritisch bewertet der Verband die 1 440 Geisterlehrerstellen, die im vergangenen Sommer bekannt wurden. Dabei handelt es sich um Stellen, die zwar statistisch existierten, den Schulen aber in Wirklichkeit nicht zur Verfügung standen. Die Folge seien mehr Unterrichtsausfall und zusätzlicher Druck auf die vorhandenen Lehrkräfte. „Geister unterrichten keine Kinder und korrigieren keine Abiturklausuren“, so Scherer. „Das leisten reale Lehrkräfte – engagiert, qualifiziert und zunehmend überlastet.“
Auch Jürgen Harich, Vertreter des Philologenverbands für den Tarifbereich, warnt vor den Folgen eines schwachen oder verzögerten Abschlusses: „Der TV-L-Abschluss ist richtungsweisend – weit über den Bereich der Tarifbeschäftigten hinaus. Reallohnverluste und Verzögerungen werfen einen langen Schatten auf das gesamte Bildungssystem. Wer heute nicht investiert, zahlt morgen einen hohen Preis.“
Darüber hinaus fordert der Philologenverband eine ehrliche Bestandsaufnahme der tatsächlichen Arbeitszeit von Lehrkräften. Neben Unterricht, Vor- und Nachbereitung und Korrekturen fallen zahlreiche weitere Aufgaben an: Beispielsweise gibt es bei der Vermittlung von Life Skills an außerunterrichtlichen Lernorten sowie deren Planung zahlreiche zusätzliche Aufgaben – von pädagogischer Beratung über die Umsetzung und Implementierung immer neuer Inhalte bis hin zu Verwaltungs- und Digitalisierungsaufgaben. Diese werden bislang praktisch nicht erfasst, aber wie selbstverständlich von den Lehrkräften erwartet. Für sie sind im Stundenplan keine Zeiten eingeplant – das alles erfolgt „on top“.
„Diese unsichtbare Arbeit ist das Rückgrat funktionierender Schulen“, betont Martina Scherer. „Wer sie ignoriert, riskiert Überlastung und den Verlust qualifizierter Lehrkräfte.“
Der PhV BW warnt eindringlich davor, die Attraktivität des Lehrerberufs weiter herabzusetzen. Steigende Lebenshaltungskosten, Reallohnverluste und wachsende Arbeitsverdichtung stünden in klarem Widerspruch zu den grundlegenden Voraussetzungen, die ein leistungsfähiges Bildungssystem erst ermöglichen.
Abschließend stellt der Philologenverband Baden-Württemberg klar: Lehrkräfte sind kein überflüssiger Kostenfaktor, sondern die unverzichtbare Basis für die Bildung der kommenden Generationen. Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft – sie sichern den gesellschaftlichen Zusammenhalt und bilden das Fundament eines starken Staates.
***
An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden knapp 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit über 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.
Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.