PhV BW zur Einstellungssituation an den Gymnasien

7. Juli 2025

Lehrkräfte-Bewer­ber­flut trifft auf Ein­stel­lungsebbe: Gym­nasien ger­at­en in den „Schweinezyk­lus“ – PhV BW schlägt Alarm

Die Ein­stel­lungssi­t­u­a­tion an den all­ge­mein­bilden­den Gym­nasien in Baden-Würt­tem­berg ist so anges­pan­nt wie nie zuvor. Trotz über 1.500 qual­i­fizierten Bewer­berin­nen und Bewer­bern ste­hen viel zu wenige Stellen zur Ver­fü­gung. Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg (PhV BW) warnt ein­dringlich vor einem sich abze­ich­nen­den bil­dungspoli­tis­chen Desaster.

Derzeit erleben die Gym­nasien in Baden-Würt­tem­berg eine para­doxe Sit­u­a­tion: Während eine große Zahl hochqual­i­fiziert­er Lehrkräfte auf eine Anstel­lung wartet, ist der Bedarf an neuen Stellen durch die Umstel­lung auf G9 tem­porär geringer. Dieser soge­nan­nte „Min­derbe­darf“ führt zu ein­er mas­siv­en Frus­tra­tion bei den Nach­wuch­slehrkräften und birgt langfristige Risiken für das Bil­dungssys­tem.

„Von Fachkräfte­man­gel ist am Gym­na­si­um derzeit nur eines zu spüren: dass man fach­lich her­vor­ra­gend und höchst flex­i­bel sein muss, um über­haupt eine Chance zu haben“, erk­lärt Mar­ti­na Scher­er, Lan­desvor­sitzende des PhV BW. „Es ist grotesk: Erst lassen wir die Besten der Besten in der Warteschleife zap­peln – und ab 2032 wird dann jed­er gebraucht, der ger­adeaus unter­richt­en kann. Wenn das keine bil­dungspoli­tis­che Geis­ter­fahrt ist, was dann?“

Auch Ste­fanie Schrutz, die Lan­desvor­sitzende der Jun­gen Philolo­gen (JuPhis), zeigt sich empört: „Unsere Nach­wuch­slehrkräfte haben jahre­lang alles gegeben – und jet­zt heißt es, sie wer­den ‚ger­ade nicht gebraucht‘. Wer so mit Tal­en­ten umge­ht, darf sich nicht wun­dern, wenn die besten Köpfe in andere Bun­deslän­der, ins Aus­land oder in die freie Wirtschaft abwan­dern.“

Die Zahlen sind seit Langem bekan­nt und alarmierend: Bis zum Jahr 2031 wird sich ein Über­hang von knapp 1.600 Dep­u­tat­en auf­bauen. Dieser Über­hang wird sich im Schul­jahr 2032/33 abrupt in einen Mehrbe­darf von über 2.500 Dep­u­tat­en ver­wan­deln. Der PhV BW warnt seit Jahren vor genau diesem „Schweinezyk­lus“ – ein­er ruinösen Per­son­alpoli­tik, die den Bil­dungser­folg kom­mender Gen­er­a­tio­nen mas­siv gefährdet.

„Was jet­zt als Einsparung verkauft wird, bezahlen wir später dop­pelt – mit Burnouts und weit­erem krankheits­be­d­ingtem Unter­richt­saus­fall“, warnt Scher­er. Sie betont, dass heutige Ver­säum­nisse die Gesellschaft später schw­er belas­ten wer­den, ins­beson­dere zulas­ten der Schü­lerin­nen und Schüler.


Der PhV BW fordert daher drin­gend:

• Ein­stel­lung gut qual­i­fiziert­er Lehrkräfte trotz tem­porärem Über­hang: Um den aktuellen Tal­ent­pool nicht zu ver­lieren und die Qual­ität des Unter­richts zu sich­ern.
• Ein­satz dieser Kräfte für Förderung, kleinere Klassen und Vertre­tungspools: Eine vorauss­chauende Nutzung der vorhan­de­nen Kapaz­itäten zur Verbesserung der Bil­dungsqual­ität.
• Ver­lässliche Per­spek­tiv­en für Beruf­se­in­steiger: Schaf­fung von Pla­nungs- und Job­sicher­heit für den Lehrkräfte­nach­wuchs.
• Vorauss­chauende Pla­nung statt hek­tis­ch­er Reak­tion: Eine langfristige Strate­gie zur Per­son­alen­twick­lung.
• Ver­hin­derung eines erneuten Qual­ität­sein­bruchs durch über­stürzte Nachbesserun­gen ab 2032: Frühzeit­iges Han­deln, um zukün­ftige Eng­pässe und deren neg­a­tive Fol­gen zu ver­mei­den.

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An den Gym­nasien des Lan­des Baden-Würt­tem­berg wer­den knapp 300.000 Schü­lerin­nen und Schüler unter­richtet. Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg e.V. (PhV BW) ver­tritt mit über 9.000 im Ver­band organ­isierten Mit­gliedern die Inter­essen der Lehrerin­nen und Lehrer an den 462 öffentlichen und pri­vat­en Gym­nasien des Lan­des.

Im gym­nasialen Bere­ich hat der Philolo­gen­ver­band BW sowohl im Haupt­per­son­al­rat beim Kul­tus­min­is­teri­um als auch in allen vier Bezirksper­son­al­räten bei den Regierung­sprä­si­di­en die Mehrheit und set­zt sich dort für die Inter­essen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gym­nasien des Lan­des ein.

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