PhV BW zur Landespressekonferenz des Realschullehrerverbands Baden-Württemberg zu den Ergebnissen des Volksantrags „Nicht ohne unsere Realschulen!“
12. Dezember 2025
Der Philologenverband fordert in Baden-Württemberg notwendige Schritte, um bei der Bildung wieder in die Spitzengruppe zu kommen:
- Wiedereinführung einer verbindlichen Grundschulempfehlung für alle Schularten
- Erhalt des vielfältigen, differenzierten und durchlässigen Schulsystems in Baden-Württemberg
- Passgenaue Schularten für unterschiedliche Begabungen und Lernniveaus – „für jedes Talent die passende Schulart“
- Stärkung aller Schularten und Wertschätzung aller Schulabschlüsse
- Transparente und breit diskutierte Bildungspolitik statt übereilter und ideologisch gesteuerter Strukturreformen
Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) bedankt sich für den überwältigenden Einsatz der vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Wiedereinführung einer verbindlichen Grundschulempfehlung für alle Schularten stark gemacht haben. Auch wenn das Quorum des Volksantrags „Nicht ohne unsere Realschulen!“ des RLV Baden-Württemberg leider nicht ganz erreicht wurde, zeigt das Ergebnis deutlich, wie groß der Wunsch nach einem klar strukturierten, begabungsgerechten und durchlässigen Bildungssystem ist.
„Wir unterstützen ausdrücklich eine verbindliche Grundschulempfehlung für alle Schularten“, betont die Landesvorsitzende des PhV BW, Martina Scherer. „Jedes Kind hat ein Recht darauf, die Schulart zu besuchen, die seinen individuellen Begabungen und aktuell vorhandenen Lernvoraussetzungen entspricht. Die Vielfalt unserer Schularten ist ein großes Gut – sie ermöglicht passgenaue Bildungswege und schützt vor Über- wie Unterforderung.“
Scherer unterstreicht, dass ein differenziertes Schulwesen kein starres System ist, sondern viele Entwicklungschancen eröffnet: „Durchlässigkeit ist ein zentrales Element unseres Bildungssystems. Schüler können zwischen den Schularten wechseln, auf einen Abschluss, wenn angestrebt, die nächste Stufe aufsetzen und so ihren persönlichen Bildungsweg entsprechend ihrer Entwicklung und ihren Interessen finden. Genau diese Flexibilität schafft Bildungs- und Chancengerechtigkeit und lässt viele persönliche Schullaufbahnvarianten zum gewünschten Ziel zu.“
Der PhV BW warnt davor, bewährte Strukturen vorschnell aufzugeben oder gar Schularten gegeneinander auszuspielen. „Misserfolge werden nicht verhindert, indem man die Unterschiede zwischen den Schularten verwischt, sondern indem man jede Schulart in ihrer speziellen Zielsetzung stärkt. Jede unserer Schularten ist hochwertig, und jeder Abschluss ist wertvoll“, erklärt Scherer. „Für jedes Talent gibt es die passende Schulart – das ist keine Schwäche, sondern genau die Stärke unseres baden-württembergischen Bildungssystems, das sich damit viele Jahre immer an der Leistungsspitze in Deutschland gehalten hat – bis man versuchte, die Vielfalt zu beseitigen „Wir stehen fest zu einem gegliederten, durchlässigen und leistungsdifferenzierten Schulsystem – weil es allen Kindern in ihrer persönlichen Profilierung gerecht wird.“
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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden knapp 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit über 9.000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den 462 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.
Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.