Raubbau am Gymnasium: Philologenverband Baden-Württemberg entlarvt haushalterischen Stellen-Verschiebebahnhof des Kultusministeriums

5. März 2026

Pressemit­teilung des Philolo­gen­ver­bands Baden-Würt­tem­berg (PhV BW) zum The­ma „A14-Stellen an Gym­nasien und Gemein­schaftss­chulen“

Raub­bau am Gym­na­si­um: Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg ent­larvt haushal­ter­ischen Stellen-Ver­schiebe­bahn­hof des Kul­tus­min­is­teri­ums

Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg (PhV BW) schlägt Alarm: Neue, auf Grund­lage des Lan­desin­for­ma­tions­frei­heits­ge­set­zes gewonnene Dat­en bele­gen eine mas­sive Zweck­ent­frem­dung von Stellen – zulas­ten der Gym­nasien und ihrer Lehrkräfte.

• Die ver­sproch­ene Angle­ichung der Beförderungschan­cen an Gemein­schaftss­chulen (GMS) ist im Haushalt nicht bei den Stellen der GMS hin­ter­legt!
• Wenn man poli­tisch diese Angle­ichung der Beförderungschan­cen zusagt, dann müssen ehrlicher­weise die Ressourcen dafür bere­it­gestellt wer­den– aber die nöti­gen A14-Stellen für GMS ste­hen schlicht nicht im Plan. Sie wer­den von den Gym­nasien geholt.
• Im Regierungs­bezirk Karl­sruhe bedeutet das: Ein nahezu kom­plettes Jahreskontin­gent an Beförderun­gen fehlt – Gym­nasiallehrkräfte wer­den um Jahre vertröstet.

Beförderungsquoten als Ver­sprechen: Poli­tis­ches Ziel ohne finanzielle Basis
Das Kul­tus­min­is­teri­um ver­weist regelmäßig darauf, dass eine Angle­ichung der Beförderungschan­cen zwis­chen Gym­na­si­um und Gemein­schaftss­chule angestrebt werde. Das Ziel: Man wolle den Anteil an A14-Lehrkräften an GMS dem Stand an den Gym­nasien angle­ichen. Der Staat­shaushalt­s­plan 2025 zeigt jedoch deut­liche Unter­schiede auf:
• Gym­na­si­um: rund 44 Prozent A14-Quote einge­plant
• Gemein­schaftss­chule: im Haushalt vorge­se­hen sind nur rund 26 Prozent der Stellen für A14
Das bedeutet: In den Stel­len­pla­nun­gen für die GMS sind die für dieses ver­sproch­ene Ziel erforder­lichen Stellen gar nicht vorhan­den. Für die Lan­desvor­sitzende des PhV BW, Mar­ti­na Scher­er, ist das intrans­par­ent und wider­sprüch­lich: „Man kann nicht gle­iche Kar­ri­erechan­cen ver­sprechen, wenn man sie im Haushalt nicht mit entsprechen­den Stellen unter­legt.“
Statt zusät­zliche Beförderungsstellen im eige­nen GMS-Kapi­tel zu schaf­fen, wür­den fak­tisch Mit­tel aus dem Gym­nasial­bere­ich herange­zo­gen, um die Quote rech­ner­isch anzu­gle­ichen. Im Klar­text: Die A14-Beförderun­gen an GMS bele­gen zum Teil A14-Stellen aus dem Kontin­gent der Gym­nasien.

Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg fordert daher:
• Haushaltswahrheit statt Ver­schiebe­bahn­hof: Beförderungsstellen müssen dort aus­gewiesen und beset­zt wer­den, wo die Arbeit tat­säch­lich geleis­tet wird – sowohl am Gym­na­si­um als auch an den GMS.
• Strate­gis­che G9-Vor­sorge: Die abse­hbar notwendi­gen zusät­zlichen Stellen müssen rechtzeit­ig und rechtssich­er im Gym­nasial­haushalt ver­ankert wer­den.
• Faire Beförderungsper­spek­tiv­en: Poli­tis­che Zusagen müssen sich real im Stel­len­plan wider­spiegeln und dort auch hin­ter­legt sein.

Exem­plar­isch die Folge im RP Karl­sruhe: Still­stand in der Kar­ri­ere­pla­nung
Dieser „Stel­lendieb­stahl“ hat für die Lehrkräfte im RP Karl­sruhe drama­tis­che Fol­gen. Die Rück­mel­dung des Min­is­teri­ums bestätigt, dass dort 55,92 A14-Stellen an GMS mehr beset­zt sind als das GMS-Kapi­tel hergibt – sie sind kom­pen­siert durch das Gym­na­si­um. Bei derzeit max­i­mal 60 Beförderun­gen zum Ober­stu­di­en­rat (A14) pro Jahr im Regierung­sprä­sid­i­um Karl­sruhe bedeutet dies, dass dem Gym­na­si­um fak­tisch ein fast voll­ständi­ges Jahreskontin­gent an Beförderun­gen ent­zo­gen wurde! Durch diese Antwort auf die Anfrage bei „Frag den Staat“ (s. https://fragdenstaat.de/anfrage/stellenbesetzung-haushaltszuordnung-und-ressourcenfluss-a13-a14-hd-zwischen-gymnasium-und-gms/#nachricht-1094738; abgerufen am 04.03.2026) wird das Aus­maß deut­lich. Math­e­ma­tisch führt dieser Ressource­nentzug dazu, dass ver­di­ente Lehrkräfte im RP Karl­sruhe schätzungsweise zwei bis drei Jahre länger auf ihre Ernen­nung zum Ober­stu­di­en­rat warten müssen.

Mar­ti­na Scher­er abschließend: „Unsere Gym­nasiallehrkräfte leis­ten Tag für Tag her­vor­ra­gende Arbeit. Sie haben Trans­parenz, Fair­ness und ver­lässliche Kar­ri­ereper­spek­tiv­en ver­di­ent – keine haushalt­spoli­tis­chen Taschen­spiel­er­tricks.“

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An den Gym­nasien des Lan­des Baden-Würt­tem­berg wer­den knapp 300.000 Schü­lerin­nen und Schüler unter­richtet. Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg e.V. (PhV BW) ver­tritt mit über 9.000 im Ver­band organ­isierten Mit­gliedern die Inter­essen der Lehrerin­nen und Lehrer an den 462 öffentlichen und pri­vat­en Gym­nasien des Lan­des.

Im gym­nasialen Bere­ich hat der Philolo­gen­ver­band BW sowohl im Haupt­per­son­al­rat beim Kul­tus­min­is­teri­um als auch in allen vier Bezirksper­son­al­räten bei den Regierung­sprä­si­di­en die Mehrheit und set­zt sich dort für die Inter­essen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gym­nasien des Lan­des ein.

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