Zumeldung des Philologenverbands Baden-Württemberg (PhV BW) zum Artikel „Schoppers Kritik am ´Abschulen´ hält nicht“ in der Stuttgarter Zeitung vom 05.11.2025

6. November 2025

Kern­forderun­gen des PhV BW:

  • Begriff „Abschu­lung“ ist neg­a­tiv vor­be­lastet– Schu­lartwech­sel nicht stig­ma­tisieren, son­dern päd­a­gogisch begleit­en
  • Real­is­tis­che Schul­wahl stärken und Über­forderung ver­mei­den – verbindliche Grund­schulempfehlung auch für Realschulen
  • Leis­tung­shetero­gen­ität reduzieren, um bessere Lernbe­din­gun­gen zu schaf­fen
  • Dif­feren­ziertes Schul­sys­tem bewahren – indi­vidu­elle Bil­dungswege sich­ern

Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg (PhV BW) begrüßt den Antrag der FDP/D­VP-Land­tags­frak­tion zum The­ma Schul­wech­sel von Gym­nasien und Realschulen auf andere Schu­larten (Land­tags-Druck­sache 17/9468) und unter­stützt die Forderun­gen der FDP/D­VP-Frak­tion nach ein­er Wiedere­in­führung der verbindlichen Grund­schulempfehlung für jede Schu­lart und dem Erhalt des bewährten, viel­gliedri­gen Schul­sys­tems.

Gle­ichzeit­ig warnt der PhV BW vor dem Begriff „Abschu­lung“. Er stig­ma­tisiert Schü­lerin­nen und Schüler und bew­ertet einen Schul­wech­sel unsachgemäß abw­er­tend. Dabei ist ein Wech­sel der Schu­lart in vie­len Fällen ein sin­nvoller und notwendi­ger Schritt, wenn Kinder oder Jugendliche dauer­haft über­fordert sind. Er ermöglicht neue Erfol­gser­leb­nisse und fördert pos­i­tive Lern­prozesse. Zudem sug­geriert der Begriff „Abschu­lung“ eine Hier­ar­chie der Schu­larten. Das wird der Real­ität nicht gerecht, denn jede Schu­lart hat einen eige­nen Bil­dungsauf­trag und bietet passende Wege für unter­schiedliche Begabun­gen und Lern­vo­raus­set­zun­gen.

Die Zahlen des Kul­tus­min­is­teri­ums zeigen auf, dass nach 2012 die Häu­figkeit der Schul­wech­sel z. B. vom Gym­na­si­um auf die Realschule sig­nifikant angestiegen ist, was für die damals an Gym­nasien unter­rich­t­en­den Lehrkräfte wahrhaftig keine Über­raschung ist, denn genau diesen Effekt der allein dem Eltern­wun­sch über­lasse­nen Schul­wahl haben die Kol­legin­nen und Kol­le­gen selb­st erlebt. Kinder, die schon in der Grund­schule Lern­schwierigkeit­en hat­ten, wur­den ab 2012 nach dem Mot­to „Wir wollen es mal pro­bieren“ als Ver­such­skan­inchen an Schulen geschickt, deren Anforderun­gen diesem Kind nicht angemessen waren, sodass Frus­tra­tion und Mis­ser­folg eigentlich schon vor­pro­gram­miert waren. Dass man inzwis­chen diesen Fehler zumin­d­est teil­weise kor­rigiert hat, war im Sinne der Kinder längst über­fäl­lig.

Noch eine Schluss­be­merkung: Im Kul­tus­min­is­teri­um scheint sich (endlich) die Erken­nt­nis durchzuset­zen, dass eine zu große Het­ero­gen­ität inner­halb ein­er Klasse kon­trapro­duk­tiv für den Lern­er­folg ist. Dies wäre ein großer Fortschritt, der in Kon­se­quenz zur Folge haben müsste, dass die Grund­schulempfehlung auch für die Realschulen, bess­er noch für alle Schu­larten, wieder verbindlich wird, um eine bessere Aus­gangs­ba­sis für das Ler­nen zu schaf­fen. Unser dif­feren­ziertes Schul­sys­tem mit seinem Grund­satz „Kein Abschluss ohne Anschluss!“ bietet viele Chan­cen auf indi­vidu­elle Bil­dungswege, die zum Erfolg führen. Diese Vielfalt und Chan­cen­gerechtigkeit dür­fen wir nicht gefährden!

Zitat Mar­ti­na Scher­er, Lan­desvor­sitzende des PhV BW: „Ein Schul­wech­sel ist kein Scheit­ern, son­dern oft der erste Schritt zu neuen Erfol­gser­leb­nis­sen. Entschei­dend ist, dass Kinder die passenden Lernbe­din­gun­gen erhal­ten. Wir set­zen uns dafür ein, dass Schul­wahl ver­ant­wor­tungsvoll erfol­gt und unser dif­feren­ziertes Schul­sys­tem mit seinen vielfälti­gen Bil­dungswe­gen erhal­ten bleibt. Chan­cen­gerechtigkeit bedeutet, jedem Kind den Weg zu ermöglichen, der wirk­lich zu ihm passt.“

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An den Gym­nasien des Lan­des Baden-Würt­tem­berg wer­den knapp 300.000 Schü­lerin­nen und Schüler unter­richtet. Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg e.V. (PhV BW) ver­tritt mit über 9.000 im Ver­band organ­isierten Mit­gliedern die Inter­essen der Lehrerin­nen und Lehrer an den 462 öffentlichen und pri­vat­en Gym­nasien des Lan­des.

Im gym­nasialen Bere­ich hat der Philolo­gen­ver­band BW sowohl im Haupt­per­son­al­rat beim Kul­tus­min­is­teri­um als auch in allen vier Bezirksper­son­al­räten bei den Regierung­sprä­si­di­en die Mehrheit und set­zt sich dort für die Inter­essen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gym­nasien des Lan­des ein.

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