Pressemitteilung des Philologenverbands Baden-Württemberg (PhV BW) zur G8/G9-Umfrage der Arbeitsgemeinschaften der gymnasialen Elternbeiräte (ARGE) in Baden-Württemberg

15. Februar 2021


* Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg: Wun­sch der Eltern nach einem Umstieg auf G9 endlich umset­zen!
* Forderung nach sofor­tigem Wech­sel auf neun­jähriges Gym­na­si­um zum Schließen der Coro­na-Lück­en

Die Arbeits­ge­mein­schaften der gym­nasialen Eltern­beiräte (ARGE) in Baden-Würt­tem­berg haben die Eltern mit min­destens einem Kind am Gym­na­si­um befragt: Wie ste­hen Sie zu G8/G9, wie zu den Bil­dungszie­len, und was sind ihre Wün­sche für die Zukun­ft? Siehe: https://www.arge-tuebingen.de/_downloads/53af59bc1e8329a6a5f76fdee7bc32a8/G8_G9-Umfrageergebnis_09.02.2021.pdf (Grafiken am Ende des Doku­ments)

Das Ergeb­nis zeigt in aller Deut­lichkeit, dass der Wun­sch nach ein­er Rück­kehr zum neun­jähri­gen Bil­dungs­gang am all­ge­mein­bilden­den Gym­na­si­um (G9) in Coro­na-Zeit­en weit­er mas­siv gewach­sen ist. Knapp 90 % der gym­nasialen Eltern wün­schen sich mit­tler­weile ein G9. „Wann will das Kul­tus­min­is­teri­um endlich seine Wahrnehmung mit der Real­ität in Ein­klang brin­gen?“ war eine häu­fige Frage von Eltern­seite bei der Vorstel­lung dieser Ergeb­nisse.

„Dies ist ein Schlag ins Gesicht von Kul­tus­min­is­terin Eisen­mann, die seit Jahren behauptet, dass die Eltern mit dem derzeit­i­gen achtjähri­gen Gym­na­si­um zufrieden seien“, kom­men­tiert der Lan­desvor­sitzende des Philolo­gen­ver­bands Baden-Würt­tem­berg (PhV BW), Ralf Scholl, die Umfrageergeb­nisse. „Die Wirk­lichkeit sieht anders aus, und jedes Früh­jahr ist bei der Anmel­dung an den Gym­nasien zu beobacht­en: Wo immer eines der G9-Mod­ell­gym­nasien in erre­ich­bar­er Nähe ist, find­et eine Abstim­mung mit den Füßen statt.“ Die Anmeldezahlen an den G9-Gym­nasien sind so hoch, dass häu­fig Schü­lerin­nen und Schüler abgewiesen wer­den oder Plätze ver­lost wer­den müssen, obwohl es an den aller­meis­ten G9-Gym­nasien nur noch auss­chließlich G9-Klassen gibt. Das ist nach Ein­schätzung von Ralf Scholl eine auf Dauer unhalt­bare Sit­u­a­tion.

Ein weit­eres Ergeb­nis der ARGE-Umfrage lautet: Den Eltern ist die Ver­mit­tlung umfassender All­ge­mein­bil­dung und eine gute Vor­bere­itung auf ein Studi­um sehr wichtig.
Schon seit der Ein­führung des G8 für alle Gym­nasien im Jahre 2003 hat der Philolo­gen­ver­band davor gewarnt, den für eine tragfähige Hochschul­reife notwendi­gen Lern­stoff weit­er zu kom­prim­ieren. „Die Kla­gen seit­ens der Uni­ver­sitäten über die viel zu oft man­gel­hafte Stu­di­en­reife und die Notwendigkeit von Vorkursen vor dem Stu­di­en­be­ginn, um Män­gel auszu­gle­ichen, sind ja seit Jahren bekan­nt“, erk­lärt der PhV-Lan­desvor­sitzende.
Durch die Coro­na-Lock­downs mit teil­weise erhe­blichem Unter­richt­saus­fall bzw. Fer­nun­ter­richt, der anfangs von mas­siv­en tech­nis­chen Prob­le­men geplagt war, habe sich die Sit­u­a­tion weit­er ver­schärft. Die ent­stande­nen Defizite wer­den nach Ansicht von Ralf Scholl erst in den kom­menden Jahren wirk­lich klar wer­den, wenn auf nicht vorhan­de­nen Inhal­ten aus der Schulschließungs- bzw. Fern­lernzeit aufge­baut wer­den muss bzw. diese nachgel­ernt wer­den müssen. „An den Gym­nasien gibt es seit der Ein­führung von G8 dafür aber keine Zeit: Die Stun­den reichen ja schon im G8-Nor­mal­be­trieb nicht für ein solides Fes­ti­gen des Gel­ern­ten durch nach­haltiges Wieder­holen und Üben“, moniert der PhV-Lan­desvor­sitzende.
 
Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg schlägt als gang­baren Weg aus dieser Sit­u­a­tion eine sofor­tige Umstel­lung der Klassen­stufen 5 bis 10 an den Gym­nasien von G8 auf G9 vor, um so allen Schü­lerin­nen und Schülern ein zusät­zlich­es Jahr Lernzeit zu geben – unter Beibehal­tung ein­er G8-Wahlmöglichkeit für diejeni­gen Schü­lerin­nen und Schüler, die in der Coro­na-Zeit keine spür­baren Ein­bußen hat­ten.

Ein Wech­sel von z.B. Klasse 7 im G8 zu Klasse 8 im G9 bringt aus­re­ichend Zeit, die fehlen­den The­men aufzuar­beit­en, weil der G9-Plan ja langsamer voran­schre­it­et. So kön­nten die berechtigten Forderun­gen der Eltern erfüllt wer­den: Ein Bil­dungs­plan eines jet­zi­gen G9-Mod­ell­gym­na­si­ums kön­nte prob­lem­los für drei Schul­jahre als vorüberge­hende G9-Grund­lage dienen. Bis 2024 müsste dann ein neuer „Mehrwert-G9“-Bildungsplan für alle Gym­nasien entwick­elt wer­den.

Diese Sofort­maß­nahme ist real­isier­bar, denn der Ein­wand, dass es dafür nicht genü­gend Lehrkräfte gibt, trifft bei der Schu­lart Gym­na­si­um nicht zu: Zum einen sind für G9 während der ersten sechs Jahre weniger Lehrkräfte notwendig, da ja in jedem Jahrgang weniger Stun­den unter­richtet wer­den als bei G8, zum anderen wer­den seit Jahren längst nicht mehr alle gym­nasialen Ref­er­en­dare eingestellt.

Der PhV BW ruft auf: „Gön­nt den Schü­lerin­nen und Schülern an den Gym­nasien jet­zt die notwendi­ge zusät­zliche Zeit, damit sie die Chance erhal­ten, ihre Schul­lauf­bahn erfol­gre­ich fortzuführen und zu been­den! Nehmt endlich den Eltern­willen ernst, der auch mit dem Wun­sch viel­er gym­nasialer Lehrkräfte übere­in­stimmt!“

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An den Gym­nasien des Lan­des Baden-Würt­tem­berg wer­den knapp 300.000 Schü­lerin­nen und Schüler unter­richtet. Der Philolo­gen­ver­band Baden-Würt­tem­berg e.V. (PhV BW) ver­tritt mit über 9.000 im Ver­band organ­isierten Mit­gliedern die Inter­essen der Lehrerin­nen und Lehrer an den 462 öffentlichen und pri­vat­en Gym­nasien des Lan­des.

Im gym­nasialen Bere­ich hat der Philolo­gen­ver­band BW sowohl im Haupt­per­son­al­rat beim Kul­tus­min­is­teri­um als auch in allen vier Bezirksper­son­al­räten bei den Regierung­sprä­si­di­en die Mehrheit und set­zt sich dort für die Inter­essen der ca. 26.500 Lehrkräfte an den Gym­nasien des Lan­des ein.

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